Summer Breeze 2009Dinkelsbühl

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Mittwoch



Erste Band in diesem Jahr sind für mich Vomitory, bei denen sich das Sprichwort "Wer zu spät kommt, den bestraft das Publikum" leider bewahrheitet. Punktlich zum Auftakt ist das Partyzelt zum Bersten gefüllt, an einen guten Platz in einer mittleren Reihe nicht zu denken. Beste Voraussetzungen also, um einen fulminanten Gig hinzulegen und genau das taten Vomitory auch. Statt ausschweifender Ausführungen nutzen Vomitory die eh schon knappe Spielzeit und legen einen überzeugenden Auftritt hin. Die Stimmung ist am Kochen, die Crowd-Surfer segeln reihenweise gen Bühne und lauter Jubel brandet nach jedem Song auf. Guter Anfang, der Lust auf mehr macht.


Von VOMITORY gut vorgeheizt geht es im vollbesetzten Zelt in die nächste Knüppel-Runde. Was sich beim Soundcheck schon bemerkbar macht, bewahrheitet sich dann beim ersten Lied: GOD DETHRONED haben mit CATARACT getauscht. Wie nach dem Gig zu erfahren ist, liegt es nur daran, dass CATARACT nicht rechtzeitig vor Ort sind. Macht nichts, ich habe trotzdem das Glück rechtzeitig da zu sein und genieße die nun folgenden Knüppelorgien. Die Band spielt ihr Set sehr souverän und dennoch mit Laune.Bis auf Lieder von "The Toxic Touch" ist von "Bloody Blasphemy" bis "Passiondale" alles Mögliche zu finden und die Menge geht dankbar auf das angebotene, holländische Black/Death-Menü ein.


Sogar eine Circle Pit lässt sich vor der Bühne ausmachen. Ich persönlich habe mehr der melodischen Brecher erwartet, aber mit "Nihilism" und "Poison Fog" bin schließlich auch ich besänftigt. Bemerkenswert dabei: Die klaren Gesangspassagen übernimmt Henri, wenngleich sie nicht so sauber klingen, wie auf der Scheibe selbst.Leider wird der Gig auf die Dauer aber doch eintönig, was mich insofern verwundert, da für mich beim Hören der Alben bisher noch nie dieses Problem aufgetreten ist. Aber allein wegen der sphärischen, melodischen Teile, die nicht nur mir regelrecht einen Schauer über den Rücken laufen lassen, hat sich dieser Gig dennoch unlöschbar eingebrannt. Es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich GOD DETHRONED live erlebt habe. In Zukunft bitte mit mehr dieser sphärischen Gänsehautsongs im Gepäck! Hoffen darf man doch noch, oder?


Bibel-Zeit! Noch ein Attila am Mittwoch, Herr Dorn höchst persönlich beehrt mit seiner Wolfscrew das Partyzelt. Klar, Aufsteller mit Kirchenflair und die obligatorischen Effektventilatoren sind da mit im Gepäck. Die "Bible Of The Beast" wird von Beginn an zelebriert, der Opener der neuen Scheibe "We Take It From The Living" eröffnet auch den SUMMER BREEZE-Auftritt. Es ist immer wieder eine Augenweide die vermeintlich rumänischen Werwölfe um den Oberpriester auf deutschen Bühnen zu sehen, ist der Power Metal doch auch absolut partytauglich.


Und so steppt um kurz nach Zwölf im Partyzelt auch munter der Bär, respektive der Wolf - wer weiß schon so genau, wie viele Besucher in dieser Nacht tatsächlich zum Werwolf gewandelt wurden. Nun gut, ganz so einflussreich ist die von POWERWOLF gebotene Darstellung wahrscheinlich nicht, ihre Wirkung verfehlt sie trotzdem nicht. "In Blood We Trust" oder "Kiss Of The Cobra King", "Saturday Satan" oder mein persönlicher Titelfavorit "Resurrection By Erection", man bietet genau die richtige Mischung aus Humor und eingängiger Musik. Dazu noch die richtige Portion Show, was will man schon mehr?


DONNERSTAG, 13.08.2009



Da war die Performance von Deadlock schon eher ein Publikumsmagnet, so voll hätte ich das Gelände um diese Uhrzeit nicht erwartet. Ich werde zwar trotz dieses Auftrittes nicht unbedingt ein Fan ihrer Musik, aber was da auf dem Platz vor der Pain Stage abging, war schon aller Ehren wert und nötigt mich zu einem anerkennenden Nicken. Die energiegeladene Show war das benötigte "Hallo wach" für das Breeze an diesem Tag und wurde von der versammelten Menge dankbar angenommen. Nicht schlecht!


Eine immer wieder schöne Konstante sind und bleiben VADER. Seien es die in regelmäßigen Abständen erscheinenden Veröffentlichungen, oder die starken Auftritte, die polnische Death-Metal-Maschine ist einfach ein Garant für stetige Präsenz auf hohem Niveau. Wenngleich angemerkt werden muss, dass die Mannen um Fronter Pjotr (Peter) mittlerweile nicht mehr ganz so viel unterwegs sind wie noch vor ein paar Jahren, als sie schon fast überpräsent waren. Der Auftritt auf dem SUMMER BREEZE untermauert wieder einmal eindrucksvoll, welche Macht VADER sind.


Schon alleine der Übergang vom Intro zum Uralt-Klassiker "Dark Age" ist ein Beginn nach Maß, und dementsprechend ist es auch kein Wunder, dass die ersten Reihen des Publikums gleich mal Kopf stehen, zig Moshpits werden gezählt. Präzise, druckvoll und mit viel Leidenschaft hauen die Polen einen Todesblei-Überhit nach dem anderen in ihrem unverkennbaren eigenen Stil runter. Verdammt fett!


Grand Magus setzen mit ihrer Musik einen kleinen Gegenpol, denn die Schweden sind mit ihrer Musik weit nicht so brutal wie viele andere Bands im Billing. Das heißt aber wiederum natürlich nicht, dass die Schweden keinen Spaß haben und vor allem machen. Mit cooler Sonnenbrille wird auf der Bühne eine minimalistische aber effiziente Show geboten.


Die Mischung aus Doom und klassischem Heavy Metal mit düsterer und rockiger Schlagseite lädt förmlich zum Headbangen ein. Viele lassen sich davon auch recht schnell anstecken und schütteln ihr Haupthaar zu "Wolfs Return" oder dem finalen "King Slayer", bei dem die Jungs von Grand Magus nochmals ihre Abneigung gegen das schwedische Königshaus betonen.


Während auf der Pain Stage noch GRAND MAGUS ihr Publikum begeistern, wird die Main Stage für UNHEILIG vorbereitet: Kerzenständer und Puppenspieler-Backdrop weisen die Fans darauf hin, dass es Zeit wird, sich einen guten Platz vor der Bühne zu sichern. Als die ersten Töne von "Lampenfieber" erklingen, ist der Jubel groß und als Der Graf die Bühne stürmt sind die Massen, die sich bis hinter das Mischpult drängen, kaum noch zu halten.


Der charismatische Sänger läuft permanent die gesamte Bühnenbreite ab, wirft sich in theatralische Posen und freut sich sichtlich über den enormen Zuspruch. Er dankt es seinen Fans mit einem hervorragenden Auftritt und einer Ausnahme-Autogrammstunde. Nicht nur, dass er überpünktlich am metal.de-Stand erscheint, der Graf stellt sich sofort vor den Wagen, gibt jedem die Hand und posiert für Fotos und das weit über die geplante Zeit hinaus.


Auf der Pain Stage ist es zu später Nachmittagsstunde nun Zeit für eine mittlerweile nicht mehr ganz unbekannte Pagan-Metal-Formation aus Bayern und der Platz vor der Bühne ist gerammelt voll. Dementsprechend herrscht schon vor Beginn des Sets von EQUILIBRIUM eine Wahnsinnsstimmung, die die Band aber noch deutlich steigern kann. Ich habe selten so viele Crowdsurfer in den Graben regnen sehen, wie bei diesem Gig - die Security weiß gar nicht, wo sie zuerst anpacken soll. Los geht es nach einem anfangs etwas missglückten Intro mit "Wurzelbert", und gleich in die Vollen. Es folgen die obligatorischen Hits zum Mitgrölen, wie "Blut im Auge" oder "Met".


Dann auf einmal wird eine wohlbekannte Melodie angespielt, "Billie Jean" von Mr. Jackson. Helge Stang singt so hoch er kann, was jedoch sehr schräg gerät, und besinnt sich nach der kleinen Reminiszenz an den toten Pophelden zum Glück wieder auf eigenes Liedgut, es folgt "Der Sturm". Der Fronter mit der blonden Mähne ist eindeutiger Mittelpunkt des Geschehens, und er verausgabt sich dermaßen, dass er stellenweise puterrot anläuft und seine Adern bedrohlich hervortreten; der Rest der fünfköpfigen Truppe hält sich eher zurück, wirkt stellenweise wie Statisten. Zwischen den Songs steht Stang manchmal ganz ungläubig da angesichts der Bombenlaune der Fans, und wird nicht müde, sich dafür zu bedanken. Der Sound ist mäßig, gibt den Stücken aber auch eine angenehm rohe Grundstimmung. Horns up!


Nächster Programmpunkt war dann mit J.B.O. eine der Bands, auf die ich am meisten gespannt war. Verträgt sich Geblödel mit Metal? Ich würde mal sagen: Ja. Zwar war die technische Umsetzung jetzt nicht wirklich Weltklasse zu nennen, ein paar Holperer hatten sich da schon eingeschlichen. Aber das ist bei einer solchermaßen gearteten Kapelle eher nebensächlich, hier kommt es meiner Meinung nach einzig und allein auf die erzeugte Stimmung an und die stimmte. Auch wenn die Stücke neueren Datums ein wenig zurückhaltend angenommen wurden, war dennoch genug klassisches Liedgut der Franken im Set vorhanden, um das anwesende Volk zu erheitern und den Gig in eine kleine Party zu verwandeln.



Schunkelparty war dann vor der Pain Stage eher weniger angesagt, denn mit Walls Of Jericho gab sich eine Kapelle die Ehre, bei der eine eher handfest zu nennende Stimmung vorherrschte. Vorangetrieben von der beeindruckenden Frontfrau Candace entfesselten die fünf Musiker einen Sturm im Publikum, der das ganze Areal vor der Bühne umfasste. Die in diesem Fall vorwiegend jüngeren Besucher schonten sich denn auch keineswegs und so kochte das Gelände am frühen Abend. Die Band honorierte den Einsatz des Publikums mit einer energiegeladenen Performance, die zur Musik passte wie die Faust aufs Auge.


Kreator spielen zum wiederholten Male auf dem Summer Breeze und finden wie immer massiv Zuspruch. Der Gig wird durch rote Rauchsäulen eröffnet, die am linken und rechten Bühnenrand aufsteigen und neben der Bühne auch das halbe Gelände vernebeln. Im Hintergrund läuft zum Opener "Hordes Of Chaos" das zugehörige Video auf mobiler Leinwand, die je nach Bedarf im Hintergrund verschwindet. Ansonsten legen Kreator einen starken Auftritt aufs Parkett, der mit "Phobia", "Terrible Certainty", "Enemy Of God" oder "Pleasure To Kill" Songs aus so ziemlich allen Phasen der Band enthält.


Entsprechend wüst sind die Reaktionen im Publikum, das sich wahlweise die Birne vom Hals bängt, exzessives Crowdsurfing betreibt oder einfach nur fasziniert den höllischen Klängen lauscht. Die Stimmung ist hervorragend, dennoch macht sich etwas Verwirrung breit, als Mille den Gig nach "Coma Of Souls" mit einem knappen "Tschüss" erstmal beendet. Aber das Thrash-Urgestein lässt sich nicht lange bitten und kommt für die Zugabe zurück auf die Bühne. Mille schwingt kurz darauf eine rote Kreator-Flagge, flippt bei der dazugehörigen Ansage fast völlig aus und läutet den dazu passenden Song "Flag Of Hate" ein, der nahtlos in "Tormentor" übergeht und somit ein furioses Finale markiert. Definitv der bessere der beiden Dinkelsbühlauftritte bisher, der das Publikum durch die teils etwas seltsamen Ansagen Milles auch hin und wieder zum Schmunzeln veranlasst.


Wenn das mal keine 180-Grad-Wendung ist, eben noch Thrash-Metal-Gefrickel vom Feinsten, heißt es nun Rock On Baby! Da der Name BACKYARD BABIES für mich nach poppiger Girl Group klingt, hatte ich bis zum SUMMER BREEZE einen weiten Bogen um diese Band gemacht und war erstaunt, sie auf dem diesjährigen Billing zu sehen. Dementsprechend überrascht bin ich über das, was nun aus den Boxen schallt und sich auf der Bühne tut. Dreckig-rotziger Rock'N Roll vom Feinsten mit einem ordentlichen Schuss SOCIAL DISTORTION. Sänger Nicke Borg erinnert nicht nur optisch an Mike Ness sondern klingt streckenweise auch nach der Rock-Ikone.


Natürlich ist auch sein Gebaren auf der Bühne betont cool, neben ihm geht dagegen ein wahres Feuerwerk an Rock'N Roll-Moves ab. Gitarrist Dregen greift ganz tief in die Poser-Kiste und fährt vom typischen Angus-Young-Walk, bis zum knienden Gitarre spielen wirklich alles auf. Das Set der BACKYARD BABIES bildet einen Querschnitt durch die Bandgeschichte, mit Schwerpunkt auf neueren Songs, der beim Publikum gut ankommt. Als die Band nach elf Stücken die Bühne verlässt, haben die Leute vor der Pain Stage noch lange nicht genug - die Spielzeit ist ohnehin noch nicht vorbei. Zunächst kommt Nicke Borg jedoch allein zurück, um "Saved By The Bell" ohne die Unterstützung seiner Kumpane dar zu bieten. Danach geht es mit "Look At You" und "People Like Us" in den Rock'N Roll-Endspurt, bei dem die Leute nochmal ordentlich das Tanzbein schwingen können. Auch wenn die metallischen Komponenten in der Musik des schwedischen Quartetts eher rar gesät sind und sich nur verhältnismäßig wenige Zuschauer vor der Bühne einfinden, können die Schweden sicher einige Zuschauer für ihre Musik begeistern.


Und los geht es, mit dem einzigen Auftritt auf dem gesamten Breeze, der als einziger richtig hervorsticht. Die wirklich nicht kleine Main Stage platzt angesichts der dort Platz nehmenden Besetzung nahezu aus allen Nähten. Orchester, Chor und dazu noch die Hauptakteure von CORVUS CORAX mit ihrem sowieso schon nicht kleinen Instrumentarium und Fundus. Die dargebotene Show ist wirklich vom Allerfeinsten.


Von den Pyro-Effekten bis hin zu den wechselnden Kostümen und der Bühnenperformance passt einfach alles. Die Sopranistin Ingeborg Schöpf, angestellt an der Staatsoperette Dresden, ist dabei dieses Jahr die einzige Sängerin des gesamten SUMMER BREEZE, die auf der Bühne keinerlei Probleme mit ihrem Gesang hat. Einziges Manko: Sobald die Trommeln zum Einsatz kommen, was sich bei CORVUS nun mal nicht vermeiden lässt, ist leider die Klangqualität enorm gemindert. Vom Orchester ist kaum noch etwas zu hören, es knackt durchweg aus den Boxen, sobald die Bläser zusammen mit den Trommeln spielen, die Trommeln decken mit ihren Bässen ziemlich viel zu. Hinzu kommt, dass die Stücke zwar allesamt sehr bombastisch und episch aufwarten, aber auf Dauer gewöhnt man sich leider zu sehr an die dargebotene Show. Trotz allem Bombast und aller Epik kann die Show leider keinen richtigen Höhepunkt setzen, sie plätschert gewissermaßen vor sich hin, was vermutlich auch an dem Umfeld liegen dürfte.


Misery Index erwischen ein klein wenig verhaltenes Publikum, doch schon nach dem ersten Song sind die ersten Crowd-Surfer auszumachen, die freudig Richtung Bühne segeln. Ein Circle-Pit lässt schließlich nicht lange auf sich warten und Misery Index haben die Meute fest im Griff. Kein Wunder, denn die Amis feuern ihr unaufhaltsamen Death/Grind-Walzen derartig tight ins Publikum, dass einem fast die Spucke wegbleibt. Dafür erntet das Quartett natürlich viel Beifall, der sich nicht nur auf den vorderen Zeltbereich beschränkt, sondern auch von ganz hinten aufbraust.


Einen extra Schub Motivation bekommen Misery Index, als ihre Frage, wer die Band vorher schon mal gesehen hat, fast vom kompletten Publikum per Handzeichen beantwortet wird. Das Extra-Engagement zahlt sich definitv aus, denn auch die Teilnehmer des Circle-Pit legen nochmals ein Brikett drauf und geben Richtig Gas. Doch ehe man sich versieht ist die Spielzeit schon zu Ende, und Misery Index werden unter lautem Jubel und Zugabeforderungen in die Nacht entlassen.


Immer wieder gern gesehene Gäste auf dem SUMMER BREEZE sind die Schweden KATATONIA, die 2006 hier sogar ihren Auftritt als "Live-Consternation" auf Konserve gebannt hatten. Der mittlerweile vollbärtige Jonas Renkse und seine Mannen steigen mit dem meiner Meinung nach für Livesituationen ziemlich ungeeigneten, weil sperrigen, "Consternation" ein, und hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Der Sound ist unausgewogen, Renkse scheint Probleme mit dem Monitorsound zu haben, und die Truppe stolpert irgendwie durch den ersten Song, fängt sich dann aber zum Glück mit "Soil's Song" wieder. Mit "Teargas" gibt es dann die erste Nummer vom grandiosen Album "Last Fair Deal Gone Down", welches KATATONIA bei ihrer letzten Visite in Dinkelsbühl leider komplett außen vor ließen.


Zwar beschränkt sich der Aktionsradius von Frontmann Jonas wie immer auf die Größe eines Bierdeckels, doch er scheint einen guten Tag erwischt zu haben, denn so kommunikativ habe ich den Burschen selten erlebt. Nach jedem Song gibt es artig Dankesreden an das zahlreich erschienene Publikum, und auch sonst erliegt der oft so verschlossen wirkende Schwede fast schon einem Redefluss. "My Twin", "Tonight's Music" und "The Future Of Speech" sind die Highlights der Show, und als schon alle denken, mit "Evidence" wäre Schluss, setzt die Band zum finalen Schlag an. Das schon ewig nicht mehr gehörte "Murder" vom Jahrhundertalbum "Brave Murder Day" wird gezockt, und auch wenn man Jonas Renkse anhört, dass seine Stimme das Gegrowle eigentlich nicht mehr mitmacht, ist es grandios, die Nummer mal wieder zu hören. Der einzige Schwachpunkt abseits des mauen Beginns sind leider mal wieder die schiefen Backgroundvocals von Kamerad Blackheim, aber damit muss man bei einer KATATONIA-Show wohl oder übel leben.


FREITAG, 14.08.2009


Mit glühender Mittagshitze im Rücken erklimmen CALLEJON zu einem kurzen Intro die Bühne, nur um dann mit "Infiziert" direkt los zu legen. Die Nordrhein-Westfalen präsentieren sich bestens gelaunt, typische, humorvolle Ansagen von Sänger Basti sowie ein Set, das alle Publikumslieblinge beinhaltet, sorgen für ausgelassene Stimmung vor der Main Stage bei dem ziemlich jungen Publikum. Das auch einige Ältere anerkennend mit dem Kopf nicken, liegt wohl an der unglaublichen Livepräsens CALLEJONs, die noch weit über der Qualität ihrer beiden Alben liegt. "In Dunklen Wassern Brennt Ein Licht", "Es Regnet" und "Zombified" machen live einen deutlich besseren Eindruck als auf CD und das erkennt auch die Menge, sodass CALLEJON sich über diverse Pit-Spielchen und eine ganze Reihe von Crowdsurfern freuen dürfen. Highlights des Sets bleiben natürlich der Übersong vom Erstwerk "Snake Mountain", bei dem Fronter Basti kunstvoll mit einem Pappschwert hantiert, und das allumjubelte "Porn From Spain", welches auch die letzten Kraftreserven aus dem durch Hitze gepeinigten Publikum saugt. Langsam aber sicher beweisen CALLEJON, dass sie zu den Größten der Sparte aufsteigen wollen und auch wenn sie noch nicht ganz an die Auftritte von HSB und NEAERA aus dem letzten Jahr rankommen, ist dieser Gig ein außerordentlich guter. Lediglich die ständige Rückkopplung macht selbst dem guten Sound einen Strich durch die Rechnung.


In brütender Hitze machen sich an diesem frühen Freitagnachmittag die Kanadier NIM VIND auf der Pain Stage ans Werk. Die Publikumsschar vor der Bühne ist erschreckend überschaubar, was sicher auch daran liegt, dass gerade die Meisten ein wenn auch noch so kleines schattiges Plätzchen suchen. Ein weiterer Grund dafür, dass nicht allzu viele Metaljünger vor die Bühne strömen, mag die Art der Musik sein, die die Herren aus Übersee mit den schicken schwarzen Hüten (den Drummer mal ausgenommen, der trägt ein Kopftuch) machen, nämlich eine recht eingängige Mischung aus Punk und Pop. Nach ihrem Eröffnungssong "Revenge" folgt mit "Killing Saturday Night" gleich ein Hit der Truppe, und ein wenig schaffen sie es schon, die Meute vor sich aus der Reserve zu locken.


Aber echte Begeisterung sieht anders aus, was eigentlich schade ist, denn die Stücke der Kanadier können durchaus was, sie gehen leicht ins Gehör und manch eine Passage hat sogar Ohrwurmcharakter. Aber es hilft alles nichts, auch die Frage des Sängers und Gitarristen Chris, ob die Leutchen im Publikum denn schon tot wären, führt zu kaum einer Reaktion, und der mittelmäßige Sound tut sein Übriges. Zu Anfang des Sets gibt es vor allem neue Stücke von "The Stillness Illness", welches dieses Jahr erschienen ist und dessen Coverbild auch das Banner im Bühnenhintergrund ziert. In der zweiten Hälfte des Gigs arbeitet man sich dann zurück aufs erste Album von 2005, wobei sich bei mir die Frage einschleicht, ob diejenigen unter den Anwesenden hier, die die Alben kennen, nicht an einer Hand abzuzählen sind. Auch bei der Autogrammstunde später am metal.de-Stand haben die Jungs nicht gerade mit einer langen Schlange zu kämpfen. Vermutlich ein klassischer Fall von "zur falschen Zeit am falschen Ort", denn schlecht sind NIM VIND wirklich nicht.


Eigentlich muss man sich nur im Publikum vor der Main Stage umschauen, und schon weiß man ganz ohne Blick auf die Running Order, welche Band als nächste dran ist. Da rennen auf einmal ein Haufen mehr oder weniger aufwändig geschminkter und schwer nach Horrorpunk aussehender Kids durch die Gegend, es ist also Zeit für THE OTHER. Mit "Become Undead" starten sie in ihr 45-minütiges Set guten, gruftig angehauchten Punks, und können sich über einen recht ordentlichen Haufen Fans vor der Bühne freuen.


Das sah vor drei Jahren, als sie zum ersten Mal das SB spielten, noch ganz anders aus. Fronter Rod Usher und seine Mannen haben sich wie immer in ihre zombiehaften Schalen geworfen, wobei Ähnlichkeiten zu den Urvätern des Horrorpunks, den MISFITS, hier sicher kein Zufall sind. Die Bühnenshow hat dann glücklicherweise nichts mit zombiehafter Lethargie gemein, gut gelaunt und jederzeit zu einem Scherz mit den Fans aufgelegt erobert das Quartett sicher noch den einen oder anderen Festivalbesucher. Stücke wie "The End Of Our Time" und "In The Dead Of Night" werden lauthals mitgesungen, bevor "666" einen wirklich spaßigen Gig beendet. Danach kann man die Truppe, sofern man sie ohne Schminke erkennt, noch auf einen Plausch am Autogrammstand treffen.


An diesem Nachmittag ist dem Metal auf den beiden Hauptbühnen eine kleine Verschnaufpause gegönnt, denn nach Pop- und Horrorpunk gibt es nun mit PSYCHOPUNCH aus Schweden wieder eine gehörige Portion rock'n'rolligen Punks auf die Ohren. Das erste Stück ist schon etwa ein Jahr alt, "Hush Now Baby" stammt vom 2008er-Album "Moonlight City"





Somit fand ich mich erst wieder zu The Haunted vor der Main Stage ein. Mittlerweile war es schon recht heiß geworden, was dann dazu führte, dass die Schweden zwei Songs brauchten, um richtig zum Publikum durchzudringen. Dann aber gab es kein Halten mehr seitens der Menge vor der Bühne und die Arena kochte wortwörtlich über. Die Jungs sind einfach gut und das Volk wusste es zu schätzen. Alles war in Bewegung, auf der Bühne genauso wie davor und das trotz der tropischen Verhältnisse. Der erste Gewinner des Tages stand somit für mich fest und kam aus dem Land der Elche.


Schweden-Death der alten Schule nimmt auf dem SUMMER BREEZE, dem Gehörnten sei Dank, einen immer größeren Platz ein. Waren es letztes Jahr noch unter anderem DISMEMBER, die den Elchtod zelebrierten, so gibt es heuer mit GRAVE, EVOCATION und den Altmeistern ENTOMBED immerhin drei Schwergewichte der Szene zu bewundern. Es ist immer wieder eine Freude und ein Erlebnis Front-Teddybär LG Petrov über die Bühne tapsen zu sehen und sein kultiges "Alles gut?" hat auch nach 20 Jahren keiner über.




Die darauf folgenden Sabaton hatte ich schon mal live gesehen und war damals alles andere als überzeugt von der Band. Umso überraschter war ich von der Qualität dieses Auftrittes, denn die Band versprühte Energie ohne Ende, Spielfreude und Spaß am Gig, was sich ohne Verzögerung aufs Publikum übertrug. Vom ersten Ton an war Party angesagt und auch wenn ich die Songs der aktuellen Scheiblette, die am Anfang gespielt wurden, noch nicht kenne, hat diese Leistung auch mich mitgerissen. Ganz um mich geschehen war es dann aber, als Kracher wie "Primo Victoria", "Attero Dominatus" und "Panzer Battalion" zum Besten gegeben wurden, da stand die Bühne in Flammen und die Menge war einfach glücklich. Zum krönenden Abschluss gab es noch "Metal Machine" und ich hatte meine zweite positive Überraschung.


Mancher hat sich sicher im Vorfeld die Frage gestellt, ob es gut gehen kann, einer Band wie LIFE OF AGONY Headlinerstatus auf dem SUMMER BREEZE zu geben. Zu lange lag die Truppe auf Eis, die Reunion war auch schon wieder eine ganze Ecke her, und ob sich die Masse der Fans vor Ort mit dem Hardcore-artigen Sound der Jungs anfreunden würde, stand in den Sternen. Ich selbst gab nach dem rapiden Abstieg, namentlich "Soul Searching Sun", vor der zwischenzeitlichen Auflösung keinen Pfifferling auf diesen Auftritt. Doch unverhofft kommt ja bekanntlich oft, und so knallen die Herren um Frontzwerg Keith Caputo der zahlreich erschienenen Meute erst mal zwei Songs vom legendären Debütalbum "River Runs Red" vor den Latz, nämlich den Titeltrack und das famose "This Time".


Keith sieht zwar mit seiner Sonnenbrille und waberndem Leinenhemd aus wie eine Mischung aus Jesus und Jim Morrison und gibt auch salbungsvolle Sprüche zum Weltfrieden zum Besten, ist aber stimmlich völlig auf der Höhe. Durch eine scheinbar göttliche Fügung oder was auch immer konzentrieren sich LIFE OF AGONY dann auch hauptsächlich auf Stücke der Göttergabe "River Runs Red", ergänzt durch Hits der zweiten Scheibe "Ugly" wie etwa "Lost At 22". Der großen Masse der Anwesenden ergeht es wohl ähnlich wie mir, man hat wenig erwartet, und wird von der Spielfreude der Combo förmlich weggeblasen. Mit solch einem furiosen Triumphmarsch haben wohl nur die Wenigsten gerechnet. Spätestens beim vorletzten Hammersong "Through And Through" sind alle Zweifel beseitigt, LIFE OF AGONY stehen zu Recht so weit oben im Billing. Für mich die Überraschung auf dem SUMMER BREEZE 09.


Plötzlich steht er da - gefühlte zwei Meter Körpergröße, nur unwesentlich kürzere Dreads, gewaltige Armmuskulatur, über und über mit Tätowierungen verziert und ein ziemlich Retro wirkendes Mikro in den Händen - Tomi Joutsen ist zweifellos eine gewaltige und herausragende Erscheinung, und er dominiert den Abend mit dem Rest von AMORPHIS ohne Schwierigkeiten vom ersten Takt von "Leaves Scar" an. Es gibt eigentlich nur einen einzigen, kleinen Kritikpunkt an diesem Abend: Sein cleaner Gesang geht hin und wieder ein wenig unter. Doch seine Growls und die Instrumente klingen perfekt, passend zur psychedelisch-melancholischen Atmosphäre die sie erschaffen. Man merkt deutlich, dass ein Großteil des Publikums mit den Finnen aufgewachsen oder zum Metal gekommen ist, denn überall wird andächtig mitgebangt, mitgeklatscht und mitgesungen.


Die Band dankt dies mit beeindruckend präzisem Zusammenspiel und ihren kraftvollen, emotionalen Songs, die auch hingebungsvoll und über jeden Zweifel erhaben intoniert werden. Trotz aller Melancholie wirken die Musiker selbst alles andere als traurig - man sieht jedem Einzelnen die Freude an der Musik an! Tomis Dreads werden während der Instrumentalparts immer wieder zum tödlichen Propeller - was für eine Nackenmuskulatur hat dieser Kerl eigentlich? Neben den aktuelleren Nummern wird auch der eine oder andere Song vom "Tales From The Thousand Lakes"-Album gespielt, was dazu führt, dass die Stimmung noch einmal steigt und Gänsehaut sich breit macht. Was für eine Ausnahmeband hier spielt, wird auch durch die Hammond-Orgel-Sounds belegt, die wohl bei keiner anderen melodischen Death-Metal-Kapelle ähnlich passend verwendet werden. Aussetzer musikalischer oder anderer Art gibt es schlichtweg nicht, hier wird vom ersten Ton bis zum letzten jeder Takt zelebriert. Ebenfalls perfekt passt die Lichtshow zur Musik, auch hier ein großes Kompliment an den VJ - wohl auch ein großer Fan und Kenner dieser Band. Beschlossen wird der Auftritt würdig mit "Magic And Mayhem" - wer bis heute kein Fan der Band ist oder sie noch nicht kennt, wird fast zwangsläufig bekehrt.


So, wie sollte sich der Freitags-Headliner Amon Amarth im Vergleich zum meiner Meinung nach recht verkorksten Auftritt vor zwei Jahren schlagen? Das Bühnenbild war schon mal recht gefällig, auch wenn zumindest optisch 2007 etwas mehr geboten wurde. Aber aus die Musik kommt's ja an und da waren die Schweden dieses Mal um mindestens zwei Klassen besser als noch vor zwei Jahren.


Eine schön ausgewogene Setlist gab wenig Anlass zur Kritik, genauso wenig wie die Performance der Musiker. Der Sound war auch gut, das ging also alles durchaus in Ordnung. Vielleicht ein wenig arg professionell dargeboten, aber man merkt halt, dass die Herren eine eingespielte Truppe sind, so warf nicht mal der Ausfall des Viersaiters bei "Cry Of The Blackbirds" die Wikinger aus der Bahn. Guter Auftritt.



Etwas anders geartet geht es dann im Zelt zu, als FIREWIND die Bühne betreten. Nach einem Tag voller Black-, Pagan- und Death-Metal-Bands im Partyzelt stechen die Griechen mit ihrem starken und mitreißenden, frickeligen Power Metal regelrecht heraus. Die Leute scheint es nicht zu stören, das Zelt ist gut gefüllt, die Band und das Publikum haben sichtlich Spaß und Freude aneinander. Auf der Bühne wird gepost was das Zeug hält, der Instrumentenaufbau - besonders hervorzuheben ist hier das Drumkit und der öfter stattfindende Wechsel des einen Gitarristen an die Keyboards - und die Songstrukturen tun ihr Übriges dazu. Wahrlich etwas Besonderes, für mich neben POWERWOLF und SABATON seit Langem die erste Power-Metal-Band, die auch live das transportieren kann, wofür die Stilbezeichnung an sich steht - nämlich eine Menge Kraft!


SAMSTAG, 15.08.2009


Für Freunde des gepflegten Old-School-Elchtods, wie ich es einer bin, schlägt nun die Stunde. GRAVE, eine der dienstältesten Death-Metal-Bands aus dem Ikea- und Wasa-Land, servieren ihren hungrigen Fans ein Set, in dessen Mittelpunkt vor allem die kultigen alten Werke der Schweden um Frontmann Ola Lindgren, stehen.


Gerade für uns ältere Semester also ein wahres Fest! Ihr roher, direkter, schnörkel- und kompromissloser Todesblei mit den tiefer gestimmten, wummernden Gitarren, ist genau das richtige Futter, um die Nackenmuskulatur in Form zu halten. Die Kult-Deather auf der Bühne zeigen ebenfalls viel Energie und Leidenschaft, und so verwandelt sich der Auftritt in eine einzige, große Party. Allerdings ohne Luftballons und Polonaise, leider. "Morbid Way To Die"? Aber sicher.


Waren es im letzten Jahr noch die vermehrten Auftritte der von mir so heiß geliebten "Pagan-Flötenbands", die für Unmut meinerseits sorgten, so geht der Trend in diesem Jahr wohl zur Frontfrau die seicht vor sich hinsäuselt, während die Mannen im Hintergrund für einen soliden Rocksound sorgen - wie etwa bei KATRA, UNSUN und THE STORM.


Eine Band aus eben dieser Kategorie stellen auch KRYPTERIA dar. Madame Ji-In Cho tanzt sich ihr weißes Kleid während des Openers "Shoot Me" vom Leibe und ihre zuckersüßen Ansagen erfreuen zwar die Menge, können aber nicht über das doch manchmal sehr seichte, fast schon in Popgefilden anzusiedelnde Material hinwegtäuschen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen geht das Volk vor der Bühne trotz brennender Sonne und Gluthitze recht gut mit. "Never Say Die" und "Devil Down" läuten dann das Finale ein, und zwar den Titeltrack des neuen Albums "My Fatal Kiss".


Letztes Jahr noch das Partyzelt gehörig in dessen Einzelteile zerlegt, dürfen die Niederländer von BORN FROM PAIN dieses Jahr auf der Mainstage ran. Um 15 Uhr nachmittags habe ich, soweit ich mich entsinnen kann, noch nie einen derartigen Ansturm von interessierten Zuschauern gesehen. Das Festivalgelände zählt etwa so viele Köpfe, wie an den anderen Tagen beim späten Vorabendprogramm. Mit diesen damit einhergehenden Ansprüchen kommen die Jungs um Frontmann Rob allerdings bestens zurecht, bereits nach dem ersten Song frisst die Menge der Band aus der Hand und wird vor der Bühne beachtlich aktiv (man halte sich im Hinterkopf, dass die Sonne unsäglich heiß vom Himmel brennt).


Mit seinen Ansagen von szeneübergreifender Einheit und Zusammenhalt trifft Rob Franssen offenbar haargenau den Nerv des Publikums, das sich immer weiter in eine Ekstase aus Hardcore und diversen Pit-Varianten fallen lässt. Als der perfekt deutsch sprechende Fronter von der Bühne in Richtung Menge stampft und zusammen mit dieser "The New Hate" singt, kennt der Pulk kein Halten mehr. Insgesamt eine Show, die schon zu einer ungewohnt frühen Uhrzeit für die entsprechenden Headliner einheizt.


Die sengende Hitze des Samstags scheint den SUMMER BREEZE-Besuchern nichts auszumachen, denn der Bereich vor der Pain Stage ist beim Auftritt der Niederländer EPICA trotzdem gut gefüllt. Mit großer Spielfreude geht man zu Werke und nimmt damit, sowie mit exzellentem Gothic/Symphonic Metal, das Publikum für sich ein - schon nach wenigen Songs sind "EPICA"-Sprechchöre und lauter Applaus zu hören. Sängerin Simone Simons begeistert mit ihrer klaren, melodiösen Stimme, die sich mit den Grunts des Gitarristen Mark Jansen sehr schön ergänzt.


Ihre deutschen Ansagen wirken sympathisch und besonders dankbar ist das Publikum für die Wasserflaschen, die zwischendurch und am Ende des Auftritts von der Bühne geworfen werden. Songtechnisch wird eher härteres Material dargeboten, was für das SUMMER BREEZE-Festival ja durchaus angemessen ist - dennoch wirken die Stücke dem Bandnamen gemäß oft episch-feierlich. Einen Kontrast dazu bildet das Headbanging, an dem sich auch Fronterin Simone beteiligt. EPICA präsentieren eine gute Mischung aus Stücken ihres letzten Albums "The Divine Conspiracy" und älteren, fast schon "traditionellen" Songs wie "Sensorium" oder "Cry For The Moon". Nach einer knappen Dreiviertelstunde und dem letzten Song "Consign To Oblivion" ist der kurzweilige Auftritt der Niederländer leider schon wieder vorbei und ich persönlich würde gerne noch mehr hören.


Wenn eine Band ihr Publikum begeistern kann, dann die sympatischen Schwaben Brainstorm. Und auch auf dem Summer Breeze sollte es nicht anders sein, auch wenn relativ wenige Headbanger den Weg vor die Main Stage finden. Trotzdem für Andy B. Franck und Co. kein Grund, nicht Vollgas zu geben und den Fans nicht die bestmögliche Show zu bieten. Andy ist es dann auch, der das Publikum an die Hand nimmt und ihm ordentlich zu tun gibt. Die Show soll schließlich ein komplettes Wellnessprogramm für Nacken, Stimme und Hände bieten, denn Brainstorm bieten mit ihrer Songauswahl sowohl die Möglichkeit, ordentlich die Matte zu schwingen, ihre fantastischen Refrains mitzusingen oder durch viel Handgeklappere die Band anzufeuern.


Dabei verlieren Andy und seine Mitmusiker zu keiner Zeit den Spaß aus den Augen, auf der Bühne wird geschubst und gescherzt und eine Freude verbreitet, die sich unweigerlich auf die Fans überträgt. Die starke musikalische Leistung, der hohe Entertainmentfaktor und nicht zuletzt das sympatische Auftreten der Jungs sorgt schließlich am Ende des Sets für lauten Jubel, der von der Band ganz charmant mit tiefen Verbeugungen entgegengenommen wird.


So war erst mal eine längere Pause notwendig, um die schmerzenden Ohren wieder halbwegs in Form zu bringen. Also ging es um 17:45 Uhr in Richtung Partyzelt, um den Excrementory Grindfuckers die Aufwartung zu machen. Tja, war ich arg spät dran, denn erstens hatten die Grinder schon längst mit ihrem sehr unterhaltsamen Soundcheck begonnen und zweitens war das Zelt gerammelt voll, so dass ich gerade noch einen Platz ganz am Rande für mich sichern konnte. Ok, das hatte den Vorteil, dass ich zumindest von einer Seite her Sauerstoff bekam, man merkte am Geruch doch deutlich, dass es der letzte Festivaltag war und die Leute ob der herrschenden Temperaturen schon einiges an Schweiß abgesondert hatten. Egal, da muss man durch, vor allem, wenn man eines der Highlights dieses Tages nicht verpassen wollte, denn der Auftritt der Hannoveraner (sind das nicht Pferde?) war ein absoluter Kracher. Durch den langen, aber extrem unterhaltsamen Soundcheck schon auf Betriebstemperatur gebracht, herrschte im Publikum vom ersten Ton an Ausnahmezustand. Egal, was die Band machte, es traf den Nerv der Meute und wurde frenetisch gefeiert. Bei gefühlten drölfundachtzig Grad und 462 Prozent Luftfeuchtigkeit gab es natürlich recht schnell personelle Ausfälle in der Menge, aber diese wurden durch die nachdrängenden Zuschauer schneller aufgefüllt, als man für möglich hielt. Definitiv der nächste Höhepunkt des Breeze!


So langsam wird es Zeit für dunkle Hymnen, um den Abend einzuleiten und damit auch die letzten Sonnenstunden. Und wer ist dafür prädestinierter als die Portugiesen MOONSPELL? Vor der Mainstage hat sich eine riesige Menschenmenge angesammelt, welche sich von dem feinen, emotionalen Dark Metal dieser nach wie vor starken Formation in den Bann ziehen lassen. MOONSPELL agieren mit viel Leidenschaft, sind perfekt aufeinander eingespielt, zaubern eine ganz besondere Atmosphäre und verschaffen dem Zuschauer trotz hoher Temperaturen eine um die andere wohlige Gänsehaut. Hingucker ist natürlich wie immer Sänger Fernando, welcher jede gesungene Zeile mit seinem theatralischen, pathetischen Stageacting, seiner Mimik und Gestik unterstreicht. Höhepunkte sind die Songperlen "Opium", "Scorpion Flower", "Vampiria", "Alma Mater" und der viel zu frühe Schlusspunkt "Full Moon Madness". Wer vor einigen Jahren MOONSPELL vorschnell abgeschrieben hatte, muss sich spätestens Anno 2009 eines Besseren belehren lassen, die Portugiesen sind und bleiben einfach eine starke Band.



Die Ultrastumpf-Thrasher, ehemals unter dem Namen OCCULT aktiv, beschränken ihre gesamte Erscheinung aufs Wesentliche. Die Musik scheppert an diesem Abend absolut rein, geradlinig und kompromisslos aus den Boxen, eben genauso wie man es von den Holländern erwartet. Wer die Platten kennt, der weiß genau, dass es bei dieser Art von Mucke nicht besonders viel zu entdecken gibt, sondern dass einem lediglich die Möglichkeit bleibt, sich schlichtweg gehen zu lassen. Die Fans erkennen das recht flott, womit sich die Zuschauerfront zu einer bangenden Meute formiert, die den straighten Thrash Metal mit leicht todesmetallischem Einschlag geradezu in sich aufsaugt. Die Bühnenpräsenz der Gruppierung beschränkt sich ebenfalls auf die einschlägige Kopfbewegung, doch was will man von Schädelspaltern wie "Son Of The Jackal" oder "Werewolf Corpse" auch erwarten?! Auf Platte ist mir dieses Konzept generell ein wenig zu billig, doch live kann ich mir manchmal nichts Treffenderes vorstellen, als mir von Kopf-Ab-Kapellen wie LEGION OF THE DAMNED die Eingeweide zerfressen zu lassen.


Das Backdrop hat es schon seit geraumer Zeit verkündet, um 20:15 Uhr ist es endlich so weit: Es ist "Guitar Gangsters"-Zeit. Als Michael Poulsen die Bühne betritt und das Publikum begrüßt, ist der Jubel groß und Mr. Poulsen ist sichtlich erfreut über die VOLBEAT-Sprechchöre, die ihm entgegen wogen. Weniger erfreut über das was ihnen entgegenkommt, dürfte die Graben-Security sein, denn bereits ab dem zweiten Song "Radio Girl" landen permanent Crowdsurfer in den Armen der Grabenschlampen.


Die Stimmung ist sowohl auf, als auch vor der Bühne am überkochen und VOLBEAT erweisen sich als die Könige des Abends. Die Dänen ziehen deutlich mehr Festivalbesucher an als OPETH und bieten ihrem Publikum nicht nur einen grandiosen Querschnitt ihrer drei Alben sondern zusätzlich einen neuen Song. Michael kündigt diesen gewohnt scherzhaft an und das was die vier uns präsentieren, macht Lust auf mehr. Es ist ohnehin schon ein Jahr ins Land gezogen seitdem "Guitar Gangsters & Cadillac Blood" veröffentlicht wurde und so langsam aber sicher dürfen sich VOLBEAT wieder ins Studio verziehen, vorher steht jedoch eine US-Tour mit METALLICA auf dem Programm. Neben dem neuen - sehr schicken - Bühnenoutfit Michaels, gibt es auch personell eine Veränderung: Christian Pedersen, der in der Vergangenheit die Akustikgitarre gespielt hat, ist nicht von der Partie, statt ihm übernimmt Thomas Bredahl nun diese Parts. Zu "Mary Ann's Place" gibt es - zumindest für jene die Mittags bei THE STORM nicht anwesend waren - eine Überraschung: Pernille Rosendahl singt den Song zusammen mit Michael, der umgekehrt THE STORM für einen Song unterstützt hatte. Zusätzliche Sympathiepunkte erntet Michael mit der Ansage, dass er die Sache mit dem VIP-Bereich nicht verstünde, die eigentlichen VIPs wären schließlich die Festivalbesucher, bei denen er sich herzlich für die jahrelange Unterstützung bedankt.


Nach fünfzehnjähriger Winterstarre schlug ihr Album "Tales From The Tomb" 2006 in den Untergrund ein wie eine Bombe, und 2008 schoben sie mit "Dead Calm Chaos" ein würdiges Nachfolgewerk hinterher. Neben ENTOMBED und GRAVE darf sich der geneigte Fan also auf noch einen Oldschool-Dampfhammer freuen. Los geht es mit "Silent Sleep" und "Angel Of Torment", beide in infernalischer Lautstärke in die Menge gepustet. Fronter Thomas Josefsson peitscht die Meute nach vorne, während EVOCATION einen Knaller nach dem anderen vom Stapel lassen. Zwar ist sein Stageacting inklusive seltsamer Lederhandschuhe teilweise etwas merkwürdig, doch spätestens beim absoluten Übersong "Feed The Fire" gibt es dann auch kein Halten mehr. Welch ein Monster von einem Song. Zur absoluten Krönung fehlt eigentlich nur noch das ENTOMBED-Cover "But Life Goes On", welches aber wohl der kurzen Spielzeit zum Opfer fällt. Mit ihrer absolut tighten Performance liefern EVOCATION wahrscheinlich nicht nur für mich das Schweden-Death-Highlight des diesjährigen SUMMER BREEZE ab, und viel zu schnell ist mit "Razored To The Bone" auch leider schon Schicht im Schacht.


Irgendwie ist die Luft nach VOLBEAT etwas raus, denn als VOIVOD die Bühne betreten, ist der Bereich vor dem Wellenbrecher nicht mal halbvoll. Ob das am fehlenden Geschichtsbewusstsein seitens der etwas jüngeren Fans liegt oder doch eher an der völligen Entkräftung nach fast drei hammerharten Tagen und besagtem VOLBEAT-Gig sei dahingestellt - VOIVOD lassen sich davon nicht beirren und es konsequenterweise trotzdem krachen! Sänger Snake scheint zwar rotzevoll zu sein, seiner Performance tut dies aber absolut keinen Abbruch.


Nur anfangs fürchtet man, dass er vom geringen Zuschauerstrom etwas irritiert ist, was sich allerdings als völlig unbegründet herausstellt. Ein Querschnitt aus altem wie (etwas weniger) neuem Material zeigt das, was diese Band ausmacht: 80er-Thrash, aber auf eine äußerst eigenwillige Weise. Groove und maschinelles Gebolze nebst komplexen Songstrukturen, messerscharfen Taktwechseln und brillanter Gitarrenarbeit, technisch perfekt und mit hohem Energieaufwand seitens der Musiker umgesetzt. Dem vor einigen Jahren verstorbenen Urgitarristen Piggy wäre wohl selbst die Kinnlade nach unten geklappt, wenn er hören und sehen könnte, was Dan Mongraine, der "Ersatz für den Unersetzlichen", wie Snake es formulierte, hier leistet. Hin und wieder wird der Geradeaus-Thrash zugunsten psychedelischer Soundspielereien unterbrochen, allgemein regieren aber Songs, zu denen die Matten der Anwesenden kreisen - ein Moshpit wird zwar gefordert, dem Publikum fehlt aber irgendwie der Saft dazu. Der guten Laune der Band tut dies aber keinen Abbruch, Snake fotografiert die Menge von der Bühne aus und ist sichtlich zufrieden mit der Stimmung.


Mein großer Favorit, auf den ich mich schon seit Jahren gefreut, aber immer verpasst hatte, waren Opeth. Heavyhardes war es vergönnt vor der Show ein Exklusivinterview mit Per, dem Keyborder der Band zu führen, in dem er über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges und eine Welt hinter Mikael Åkerfeldt spricht. Was jedoch sehr bald nach den ersten Takten von "Heir Apparent" klar wurde, war, dass dieser Opeth-Gig in einer technischen Katastrophe enden würde, die alles überschattete. Zu Beginn sah man nur den Gitarrentechniker an Fredriks Boxen rumfuchteln, während der Song in vollem Gange war.


Kaum einer wird sich auf die Musik konzentriert haben, sondern nur auf die wilde Hummel, die auf der Bühne hektisch hantierte. Die Schwierigkeiten zogen sich hin, das Publikum wurde ungeduldig und eine Besserung war auch nach 20 Minuten nicht in Sicht. Um das Publikum bei Laune zu halten wurde gejamt, wurden der "Soldier Of Fortune" und "Harvest" nur mit Gitarre und Gesang ausgepackt, verpufften aber in der Stimmung nahezu. Als letztendlich das Problem nach einer halben Stunde behoben war, konnte das Konzert nun wirklich beginnen und man konnte sich wieder einigermaßen auf Opeths Musik einlassen, der Stimmungszug war inzwischen jedoch abgefahren. Besonders gefreut hatte mich allerdings, dass die Schweden "Reverie/Harlequin Forest" spielten, dessen Schluss auch live seine hypnotische Wirkung gegen Ende nicht verliert. Mikael bezeichnete das Konzert im Nachhinein als "peinlichsten Auftritt aller Zeiten". Soweit würde ich nicht gehen, aber bedauerlich war es allemal.


Nach DAGOBA war ich so fertig und euphorisch, da kann eigentlich nichts mehr folgen. Denkste. Denn es gibt noch die DEATHSTARS zu sehen. Wirklich ein extremer Wechsel. Gab es bei DAGOBA noch Energie und Geschwindigkeit pur, herrscht bei den DEATHSTARS hingegen die pure Langsamkeit. Langweilig. Ja, wirklich. Die dargebotene Show kommt rüber wie im Delirium, die Herren bewegen sich, als würden sie sich im Selbigen befinden und die Show ist meines Erachtens perfekt zum Einschlafen innerhalb kürzester Zeit geeignet.


Der Sound ist OK, spielerische Ausfälle gibt es auch keine Besonderen zu vermelden, aber die Bühnenshow ist alles andere als mitreißend und begeisternd. Zwischendurch gibt es dann auch noch Ausfälle und technische Probleme in der Backline, die die Band dann kurzerhand aus einem äußerst genialen Einfall heraus überspielt. Ich kann es zwar nicht mehr wörtlich wiedergeben, aber die Ansprache ging in etwa so: "Hey Leute, wir haben gerade Probleme mit unserer Technik. Also, was würdet ihr Mädels denn sagen, wenn wir euch sagen würden, dass die DEATHSTARS sich gerade die ganze Zeit vorstellen, mit euch Sex zu haben?" Darauf folgte dann ein nicht ganz so euphorisches Kreischen des weiblichen Publikums. Ja ne, is' klar. Sorry Leute, aber das alles in Kombination geht mal echt nicht. Auf CD zwar OK, aber live definitiv nicht empfehlenswert.


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