Wacken Open Air 2009Wacken

Wacken Open Air 2009





Donnerstag

Skyline
Als Starting Gag haben sich die Wacken-Macher etwas ganz besonderes einfallen lassen. W:O:A-Veranstalter Thomas Jensen reaktivierte seine alte Band SKYLINE und eröffnet das Jubiläumsfestival höchstpersönlich. Von der 1987 gegründeten, ehemals sechsköpfigen Coverband-Mannschaft, sind allerdings nur noch Basser Jensen und Drummer Gösi (heute bei der Top-40-Truppe ROCKFORD aktiv) übrig. Aber hey, wozu hat man Connections... Und so würfeln die beiden Rock-Dinos einen bunten Haufen zusammen, der auf der Black Stage kräftig mit Coversongs um sich feuert. Darunter der alte Wacken Schlager „Harder, Faster, Louder“ und die neue von Gaströhre DORO performte Jubiläumshymne „We Are The Metalheads“ – zwar kein angehender Klassiker, aber als Mitgröhlsong durchaus geeignet. Und damit auch noch ein bisschen Niveau in die Bude kommt, legt Wacken-Urgestein Tom Angelripper mit „Auf Nach Wacken, Kopp in Nacken“ nach.



Schandmaul
ls das Intro erklingt, spürt man förmlich das Kribbeln der Masse. Oder ist es doch nur mein Nachbar, der um diese frühe Stunde bereits aus den Latschen kippt? Egal, die Sonne scheint, das Bier ist warm, und eine Stunde SCHANDMAUL liegen vor uns, die mit 'Kein Weg zu weit' gleich beweisen, dass ihnen die 850 Kilometer Anfahrt wirklich nicht zu weit waren. "Hallo Wacken", begrüßt Thomas die mächtig angewachsene Menge an Fans. Wer hätte das vor Jahren noch gedacht, dass diese Jungs und Mädels eines Tages die Hauptbühne des größten Metal-Festivals der Welt beackern. Mit 'Wolfsmensch' und 'Drachentöter' bleibt es tierisch.Trotz all der Fans kann bei mir bisher der Funke nicht überspringen. Erst mit 'Mitgift' packen sie richtig Melodie aus der Schürze und können sofort wieder in mein Herz springen. Dennoch muss man insgesamt sagen, dass SCHANDMAUL bei Dunkelheit einfach besser funktionieren, da die übliche Lichtshow tagsüber so wertvoll wie eine leere Bierdose ist. Trotzdem machen die Münchener wieder jede Menge Stimmung und können bei 'Walpurgisnacht' sogar den ersten Circle Pit des W:O:A 2009 hervorrufen.

Der W
Was wurde im Vorfeld gerade im Wacken-Forum über den guten Mann geschimpft. Wieder wurde die Nazikeule ausgepackt und in völlig abgedrehter Art und Weise über diesen Musiker hergezogen. Keine Sau geht zu diesem Gig, wurde gewettert. Trotzdem ist es gerade sehr eng vor der Hauptbühne. Komisch. Von all den ewig Gestrigen unbeeindruckt scheint Stephan Weidner bester Laune und posaunt mit grüner Baseball-Kappe den obligatorischen Opener 'Der W Zwo Drei' aus den Boxen. Der Sound ist satt, das Wetter gut, und auch die Fans sind allerbester Stimmung. Mit 'Liebesbrief' und 'Waffen und Neurosen' gibt Weidner weiter Gas, bevor er sich dem Publikum zuwendet und sich tierisch freut, heute hier auf dem Wacken solo spielen zu dürfen, nachdem er mit den BÖHSEN ONKELZ hier schon zweimal auftreten konnte. Eines der Highlights des vorzüglichen Gigs ist sicherlich 'Angst', welches von mehreren Geigerinnen begleitet wird, bevor Weidner mit einem Megaphon die Idylle sprengt. Doch auch sonst wird den Fans jede Menge guter Musik geboten. Jakob Binzer von D-A-D gibt genauso ein Gastspiel wie Nina C. Alice von SKEW SISKIN, die wie schon auf dem With Full Force 'Bitte töte mich' zum Besten geben darf. Stephan Weidner geht im Laufe der Show noch einmal auf die ONKELZ ein und wiederholt erneut, dass er keine Songs seiner alten Band spielen wird - nur einen Song über sie: 'Für immer'. Mit 'Geschichtenhasser', der Stimmungsbombe 'Verlieren kann jeder' und 'Passt gut auf euch auf' beschließt DER W dieses exzellente Konzert.



Running Wild
Nach über 30 Jahren sollte die Piratenfregatte von RUNNING WILD ein letztes Mal in See stechen, bevor sie von Käpt'n Rolf endgültig aufs Trockendock gelegt wird. Leider stand der Auftritt unter keinem guten Stern: So wurde im Vorfeld im Internet heiß und mit Recht diskutiert in wie fern es eine fanfreundliche Aktion ist, eine Abschiedsshow zu einem Zeitpunkt bekannt zu geben, wo das entsprechende Festival bereits ausverkauft ist. Viele Fans wurde so die Möglichkeit genommen ihre Idole noch einmal zu sehen. Persönlich war ich immer ein riesen Fan der Jungs aus Hamburg, auch wenn ich zugeben muss, dass sie auf den letzten drei Alben doch stark nach gelassen haben. Was nichts daran ändert, dass es für solch ein Event mehr als genug Klassiker gibt, die RUNNING WILD spielen hätten können bzw. spielen hätten müssen. Dies gelang leider nur zum Teil. War der Einstieg mit „Port Royal“ noch überraschend und ziemlich geil, so gab es am Ende der Show doch einige lange Gesichter. Der Schwerpunkt lag mit „Bad To The Bone“, „Riding The Storm“, „Tortuga Bay“und „The Battle Of Waterloo“ eindeutig auf dem 89er Masterpeace „Death & Glory“ und auch das Vorgängerwerk „Port Royal“ wurde mit dem Titelstück, „Raging Fire“ und „Conquistadores“ ausreichend bedacht. Dazu kamen unverzichtbare Standards wie „Prisoners Of Our Time“, „Branded & Exiled“ oder auch „Under Jolly Roger“. Leider schlich sich auch B-Ware wie „Draw The Line“ oder ein mehr als verzichtbares Drumsolo ins Set. Und das ging dann auf Kosten von Göttergaben wie „Lead Or Gold“, „Chains & Leather“, dem vielfach geforderten „Treasure Island“ oder auch „Blazon Stone“, welche allesamt bei einer Abschiedsshow nicht hätten fehlen dürfen. Statt dessen machte eine Piratenlaienschauspieltruppe Werbung für das demnächst erscheinende Tributalbum. Was ich mir im Vorfeld auch erhoffte, war neben einer großen Show das Auftauchen diverser Ex-Piraten. Aber daraus wurde nichts. Anfragen aus dieser Richtung wurden vom RUNNING WILD Management als „nicht von Interesse“ abgelehnt. (allein drei Ex-Drummer waren sowieso vor Ort). Stattdessen zockte Rolf mit einer sehr lustlosen Begleitcombo bestehend aus Drummer Matthias Liebetruth, Gitarrist Peter Jordan und MASTERPLAN-Basser Jan S. Eckert (Piratenkostüm + Sonnenbrille geht gar nicht) vor sich hin. Es war nichts zu spüren: Keine Begeisterung, keine Freude und schon gar keine Passion. Das alles war Standfussball der drögsten Sorte. Einer der oben genannten Ex-Drummer bemerkte recht treffend: „Da schiebt und drückt aber auch gar nix...sehr schade“ Und damit hatte er vollkommen recht. Auch Showmässig wurde nichts geboten...kein Piratenschiff o.Ä.. Die wenigen Pyros welche gezündet worden, toppten IN FLAMES in wenigen Minuten ihrer Show. Bleibt festzuhalten, dass es einerseits schade ist, dass eine der dienstältesten Heavy Metal Bands Deutschlands das Ruder aus der Hand gibt. In dieser Verfassung ist dies allerdings auch besser so. Rest in Peace.



Heaven & Hell
Es gibt Sternstunden im Leben eines Menschen, besonders wenn sich jene Sternstunden um das Firmament "godliker Acts" gleich einem Millionen Jahre alten Gestirn aus reinem Sündstoff manifestieren. So etwas passiert nicht oft, doch ist solch ein Ereignis erst einmal angekündigt, kann man in etwa schon damit rechnen, ultimativ geflasht zu werden. Kassandrisch verheißungsvoll (und ja, man muss einfach pathetisch bei den Urvätern des Heavy Metal sein, auch wenn man nur reine Sympathie und nicht unbedingt fromme Liebe für diese Musik empfindet) erlebe ich in Wacken eines der absolut genialsten Konzerte meines bisherigen Lebens – sowohl aus journalistischer Sicht als auch aus den Augen eines gespannten Musikliebhabers. Man steht irgendwie unter Strom, und viele im Publikum können nicht recht begreifen, was da gerade passiert. Schon als das noisige Intro ertönt, liegt dieser elektrisierte seelische Dunst auf der blau illuminierten Bühne. Die opulente Bühnendekoration (Teufelchen und SABBATH-typische Kreuze dürfen natürlich nicht fehlen) und jene raumschiffartig angeordnete Scheinwerfer-Wand, wie sie passender kaum sein könnte, unterstreichen die Opulenz der "Night To Remember". Während New-Pop-Metal-Kanonen wie IN FLAMES live nichts mehr reißen können und stattdessen die Zuschauer mit konstanten Stroboskop-Attacken blendwerken möchten, wissen die Techniker hinter HEAVEN & HELL, wie man Musik und Bühnenbild miteinander in Einklang bringt.



Freitag

Gamma Ray
Ja leck mich fett. Was war das denn bitte. Da stell man sich die Frage warum die Hanseaten von GAMMA RAY manchmal gut und manchmal richtig geil sind. Heute war letzteres der Fall. Mit „Heavy Metal Universe“ beginnend, standen die Wackener Metalheads bereits voll auf der Seite von Kai Hansen und Co. Die Meute tobt, singt und bangt wie bekloppt. Das liegt vor allem an einem glasklaren Sound und der agilen Perfomance der Herren Richter, Hansen und Schlächter. Und es geht grandios weiter „Ride The Sky“, „New World Order“ und natürlich „Rebellion“ sorgen dafür dass nicht nur ich literweise Bier verschütte weil stillstehen und „nur“ zu kucken einfach gar nicht funktioniert. Mit „To The Metal“ folgt ein neuer grooviger Stampfer, der auf dem neuen Album (VÖ: Spätherbst 2009) zu finden sein wird. „Man On A Mission“ mit Spongebob Video vom Rocken über die Leinwand (Hammer!) und „Heaven Can Wait“ besorgen dann endgültig den Rest. Ohne große Schnörkel rocken GAMMA RAY alles nieder und lassen keine Verschnaufpause. Ein kleines Medley bestehend aus „Future World“ und „I Want Out“ sowie das anschließende „Somewhere Out In Space“ lassen keine Zweifel, das HANSEN und Co. zu den Abräumern des Festivals gehörten. Ganz groß!



Walls of Jericho
Die aus Detroit stammenden WALLS OF JERICHO reißen derweil auf der Black Stage mit der Brachialröhre Candace Kucsulain jede Wand ein, und so wird das Publikum mit freudebringenden Ansagen "Let's have a great time" animiert. Die springenden Fans toben sich vor der gesamten Bühne aus, so dass bei Songs wie 'The American Dream' und 'All Hail The Dead' parallel verlaufende Circle Pits entstehen, die karussellartig über das Gelände verteilt verwirbeln. Hardcore-Schüsse ins Genick fallen bei 'A Trigger Full Of Promises', es folgen von Candace angestachelte "Fuck!"-Sprechchöre. WALLS OF JERICHO beenden ihre knallende Liveshow mit 'Revival Never Goes Out Of Style'.

Nevermore
Einen durchwachsenen Auftritt legen NEVERMORE hin. Nach anfänglichen Soundproblemen läuft es technisch glücklicherweise einwandfrei. Warrel Danes Stimme klingt zwar leicht angeschlagen, trotzdem sorgt die A-cappella-Einleitung zu 'Dead Heart In A Dead World' für Gänsehaut. Leider sinkt die Stimmungskurve mit jedem Lied weiter nach unten. In den ersten Reihen wird zwar noch gefeiert, aber nach hinten wird es immer weniger. Immerhin bringen die Fans von NEVERMORE einen Circle Pit zustande. Den von Dane gelobten Stagediver-Andrang des vergangenen Wacken-Auftritts toppen sie allerdings nicht. Nur wenige lassen sich zu 'Born' über die Menge tragen.



Airbourne
Zugegeben: ich war gespannt, ich war heiß, ich war wild. Schließlich hatten AIRBOURNE 2008 den ultimativen Wacken-Treffer gelandet. Mich wirklich umgehauen. Das anschließende Interview mit Drummer Ryan O’Keeffe war ein weiteres Highlight. Der winterliche Gig im Hamburger Docks das feuchtheißeste Event des Jahres. Seitdem missioniere ich und habe sicher 30 Menschen zu AIRBOURNE Fans bekehrt. Und einige davon stehen heute vor der Bühne. Und? Nun ja, die Jungs sind natürlich einfach klasse. Und deshalb rocken sie ihre acht Song auch mit Schmackes runter. Sänger und Gitarrist Joey schreit sich die Seele aus der Lunge und hat auch in punkto Akkrobatik (hoch die Licht-Traverse...) nichts verlernt. Aber irgendwie zündet es bei mir nicht so recht. Liegt es am zum Teil fragwürdigen Sound? Nein, denn AIRBOURNE sind stärker als Akkustik. Oder technischen Schnitzer (verpasste Einsätze, Gitarrenstimmen)? Nein, den AIRBOURNE ist ein Gefühl, reine Energie. Sind die Jungs ausgebrannt? Nein, aber sie wirken müder, weniger unter Strom als zuletzt. Liegt es an der Songauswahl? Nein, denn die Jungs spielen mehr oder weniger alles was sie haben. Und jeder Song des aktuellen Albums ist ein Kracher: der geile Starter „ Stand Up for Rock 'n' Roll”, „Too Much, Too Young, Too Fast”, ebenso wie das finale „Running Wild“. Das beweist nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Metal Hammer Award 2009 für das beste Debüt. Nein ich denke, es liegt an der Erwartungshaltung, dass heute manch einer nicht völlig begeistert war. Wird Zeit, dass ein neues Album kommt und die wahren Erben von AC/DC zeigen, dass sie mehr als eine Ein-CD-Fliege sind.

Bullet for my Valentine
Direkt weiter ging es dann mit BULLET FOR MY VALENTINE. Das man diese Combo fürs Wacken Open Air verpflichtet hat, hatte ja bereits im Vorfeld zu einigen Diskussionen geführt. Aber hey - mir geht diese „Das ist Emo und kein Metal“ Gelaber so was von gegen den Strich… wenn dieses Gitarrenspiel, diese Frickel Soli und der Gesang kein Metal ist, dann ist keine Band in Wacken Metal. Mit ihren Songs wie „Eye Of The Storm“ oder das zugegeben sehr eingängige „When Tears Don`t Fall“ schaffen es die Waliser auf jeden Fall die wahrlich große Gemeinde vor der Black Stage zu überzeugen. Große Überraschungen fehlen jedoch im Vergleich zur vergangenen Tour und auch der Sound will nicht so richtig in die Pötte kommen und ist deutlich zu leise. Dennoch kommt die Power rüber und am Ende wird sogar noch ein neuer Song sowie die Singleauskopplung „Scream Aim Fire“ zum Besten gegeben, der die lästigen Diskussionen über „Emo/NichtEmo“ endlich verstummen lassen sollte.

Motörhead
Der wahre Meister der treibenden Gitarren-Bass-Musik tritt trotzdem erst danach auf. "We are MOTÖRHEAD and we play Rock'n'Roll", schnäuzt Lemmy Kilmister in das Mikro, das vor ihm steht. Nachdem er diese eherne Feststellung getroffen hat, folgt ein Gig, der für all die positiven Eigenschaften steht, die das Image von MOTÖRHEAD prägen: rotzig, immer noch frech, der alte Bastard unter den Bands. Songs wie 'Another Perfect Day' schallen weithin über den Acker, die Fans verleben ausgelassene Viertelstunden vor Bierständen, in der Nähe von mobilen Bierliefernaten mit dicken Tanks auf dem Rücken oder mit einem Bier in der Hand, nebenan die besten Kumpels. MOTÖRHEAD-Konzerte sind eigentlich schon Kuschel-Events. Hier prostet, was zusammengehört, etwa beim obligatorischen wie genialen Drum-Solo von Mikkey Dee. Dabei ist die Show in Wacken gleichwohl eine besondere, etwa als bei 'Killed By Death' viele leichtbekleidete Mädchen die Bühne entern und ein anerkennendes Grinsen von Meister Lemmy ernten. Selbst SKEW SISKIN-Sängerin Nina C. Alice darf noch mitsingen. 'Overkill', im besten Sinne des Wortes. Zeitgleich wird aber auch anderswo gefeiert.



In Flames
'Only For The Weak' sind die schwedischen Melodic-Deather von IN FLAMES sicher nicht. Nach einem Video-Intro aus der Augenperspektive eines verplanten Dudes, der nach passender Musik im Radio sucht und endlich auf IN FLAMES stößt, beginnt die Sause mit einer Pyroshow, die sich durch den gesamten Gig ziehen wird. Visuell beeindruckend strahlen auch die Pixelwände, hinter denen die Silhouetten der Bandmitglieder zu erkennen sind. Mit Hüpfknüllern wie 'Cloud Connected' und 'Disconnected' bieten IN FLAMES, die leider etwas defensiv und geschwächt wirken, ein sicher dargebotenes Set. Für Überraschung sorgt das durch ein Akustikgitarren-Intro balladesk eingeleitete Meisterwerk 'Alias'. Und ein Highlight ist mit Sicherheit der wohl langsamste Circle Pit des Festivals, der zu der herzzerreißenden Ballade 'The Chosen Pessimist' ausgerufen und umgesetzt wird. Sogar hartgesottene Metalheads müssen da heulen. Nach einem Comic-Minimalvideo folgt eine augenschmeichelnde Rotlichtshow, und letztendlich erstrahlt beim Abschlusssong 'My Sweet Shadow' ein dem Jubiläums-Festival würdiges Feuerwerk.

Amon Amarth
Und wieder war die Black Stage dran und wieder war es zu leise. Dennoch schrammeln die Gitarren von AMON AMARTH in altbekannter Manier und „Twilight Of The Thunder God“ eröffnet das letzte Gefecht des Abends. Johan Hegg grunzt sich die Seele aus dem Leib und etliche Tausend Fans versuchen es ihm gleich zu tun. Die neuen Songs wie „Guardians Of Asgard” oder “Varyags Of Miklagaard” kommen gut rüber. Die passende Viking Live Show gibt es in Form von Schwertkämpfen auf der Bühne und das halbe Wikingerschiff gehört ja bei den Special Shows mittlerweile zum alten Inventar. Trotz der späten Stunde tummeln sich Heerscharen und reissen die Fäuste hoch um den „Victorious March“ sowie „The Pursuit Of Vikings“ zu zelebrieren. Das fulminante Ende gibt es dann in Form von „Cry Of The Black Birds“ und natürlich dem heissen „Death In Fire“. Das hier die halbe Bühne in Flammen steht ist obligatorisch.



Samstag



Rage
RAGE sind Stammgäste auf so ziemlich jedem Metal Open Air in Deutschland und auch sonst alles andere als tourfaul. So kommt es, dass ich RAGE nun schon weit über 20 Mal in den letzten 15 Jahren sehen durfte. Was gibt es also Neues bei RAGE? Wie schon auf der letzten Tour wurde diesmal die standartmäßige Songreihenfolge sehr durcheinander gewirbelt. So gab' es „Higher Than The Sky“ schon als zweiten Song zu bewundern. Außerdem fehlten gesetzte Stücke wie „StraightTo Hell“ oder „Don't Fear The Winter“. Dafür tauchten aber so Perlen wie „Invisible Horizons“ wieder im Set auf. Sehr erfrischend. Was diesen Auftritt aber speziell machte waren die vielen Gastauftritte: So war bei „Set This World On Fire“, „All I Want“ und eben „Invisible Horizons“ Hansi Kürsch mit von der Partie (wirkte engagierter, als beim Bang Your Head Auftritt seiner eigenen Combo). Bei „Lord Of The Flies“ und „From The Cradle To The Grave“ war Jen Majura dabei. Während bei den ganz ollen Kamellen „Prayers Of Steel“, „Suicide“ (geil!!) und dem neueren „Down“ Schmier von DESTRUCTION mitgröhlte. Schlussendlich gab sich beim deutschen „Gib dich nie auf“ Eric Fish die Ehre. RAGE selber hatten sichtlich Spaß an diesem etwas anderen Auftritt. Immer wieder gerne.

Testament
Als erklärter Fan des von Gene Hoglan und James Murphy getriebenen Death-Thrash à la "Demonic" ist es für mich nicht ganz einfach, die ohnehin sehr wankelmütige Formation und Bay-Area-Koryphäe TESTAMENT live zu begutachten. Interessant in dem Zusammenhang, dass der Titel des aktuellen Werks nach siebenjähriger Pause zu Deutsch den Titel "Formation der Verdammnis" trägt. Man weiß eigentlich kaum, wen man zu der Truppe dazurechnen soll, aber wenn, dann sicherlich niemand Geringeres als den dunklen Hühnen und Shout-King Chuck Billy. Er ist Dreh- und Angelpunkt und gewissermaßen das Gesicht der seit 1983 thrashenden Veteranen. Über den Rest der Auswechselbank haben auch wirklich nur eingefleischte Fans einen Überblick. Ich leider nicht, und da ich die Combo auch nicht aus ihren alten Tagen kenne, erlaube ich es mir in all meiner tendenziellen TESTAMENT-Inkompetenz, dem Leser nahezulegen, mein Urteil mit Vorsicht zu genießen, fühle ich mich doch nicht imstande, einen adäquaten Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu machen, da mir auch entsprechende Kenntnis über vorhandenes Live-Material nahezu gänzlich fehlt.Nun denn ... Da ich wie erwähnt mehr ein Fan der Death-motivierten Phase bin, muss ich schon wirklich sagen, dass die Combo auch im neueren Old-School-Sektor ordentlich Dampf macht. Kann ich mit "The Legacy" nur herzlich wenig anfangen, wissen neuere Päckchen aus der Sammelsendung "The Formation Of Damnation" wirklich zu überzeugen. 'More Than Meets The Eye' weiß mich demzufolge mehr vom Hocker zu reißen als ein nach altem Strickmuster gehäkelter Song à la 'Disciples Of The Watch'. An den Reaktionen des Publikums vermag man diesbezüglich nur schwer auszumachen, was denn besser ankommt - was wahrscheinlich daran liegt, dass man in den hinteren Reihen die Intensität des Moshgelages nicht seismographisch messen kann. Bei einem Ober-Thrash-Geprügel wie 'Into The Pit' hingegen bleibt kein Oberkörper heile. Heaven Shall Burn



Trouble
Ungefähr halb voll ist das Zelt, als sich kurz darauf TROUBLE, die Doom-Pioniere aus Chicago, ihren Fans im Wet-Zelt zeigen. Da ich die Band leider nie mit dem ehemaligen Sänger Eric Wagner gesehen habe, fällt der Vergleich zu Kory Clarke schwer. Jedenfalls werden die Helden gebührend empfangen, wenn auch nur von wenigen Zuschauern. Der Sound ist nicht sehr Doom-lastig, sondern geht viel mehr in Richtung Heavy Metal. Die Anwesenden sind von dem Auftritt sehr angetan, und immer wieder werden "TROUBLE!"-Rufe laut. Sänger Kory meistert seinen Auftritt im schicken weißen Hemd souverän, und einige schwelgen bei den Songs in Erinnerungen. Dennoch ist die Stimmung eher verhalten, nur ab und an schafft es der Sänger, das Publikum aus der Reserve zu locken, wie beispielsweise bei 'Come Touch The Sky'. Keine Ahnung, woran es liegt - vielleicht daran, dass bereits zwei Tage hinter einem liegen. Das überträgt sich auf die Band, die zum Ende hin ein wenig lustlos wirkt und etwas früher aufhört als geplant.

In Extremo
Mittelalterliches Spektakel ist nun angesagt. Während die „kleinen“ IN EXTREMOs in Form von Feuerschwanz noch am selben Abend auf der kleinen Medieval Stage ran durften, gibt’s die echte KULT Band auf der Black Stage zu erleben. Viel hat sich seit dem ersten Wacken Auftritt von IN EXTREMO 1998 verändert. Zum Einen der kommerzielle Erfolg den man u.a. Songs wie „Vollmond“ oder „Küss mich“ zu verdanken hat, zum Anderen die mittlerweile noch aufwendigere Bühnenshow, die Verkleidungen und die Feuereffekte. Das Publikum ist jetzt außerdem noch bunt gemischter. Dennoch werden Songs wie „Frei zu sein“, „Ai Vis Lo Lop“ oder „Mein rasend Herz“ gemeinsam abgefeiert. Irgendwie zünden jedoch die Ansagen von Micha Rhein heute nicht so sehr was aber vielleicht auch daran liegt, dass ich seit einiger Zeit nicht mehr so ganz mit der Combo warm werden kann. Mit „Villeman og Magnhild“ gibt es dennoch ein schönes Ende welches zumindest mich dazu bewegt hat, doch mal wieder ein paar alte Scheiben aus dem Regal zu kramen.



Volbeat
"Wacken - Are you rock? Are you metal?" - Das fragt Sänger Michael Poulsen nach dem Opener 'Guitar Gangsters And Cadillac Blood' auf der Wackener True Metal Stage und beschreibt gleichzeitig VOLBEATs geniale Mischung aus eingängigen Rock-'n'-Roll-Rhythmen gepaart mit rohen Metalriffs. Durch die gelungene Songauswahl aus den bisher erschienenen drei Alben und die Coverversionen 'Angelfuck' von THE MISFITS und 'I Only Wanna Be With You' von DUSTY SPRINGFIELD liefern die vier Kopenhagener eine feierträchtige Show ab. Bei der eingängigen Ballade 'The Garden’s Tale' mit Akustikgitarren-Intro und Metalrefrain lassen es VOLBEAT ordentlich krachen. Die groovige Rocknummer à la JOHNNY CASH, 'Sad Man's Tongue', wird durch Fangesänge getragen, die Poulsen am Ende fest entschlossen unterbricht, um die Nummer selbst zu beenden. Passend zu den Trinkgefilden rollt ebenfalls der Song 'Pool Of Booze, Booze, Booza' über die Bühne, der die Death-Metal-Ursprünge der Musiker durchschimmern lässt. Mit einer Gesangsübung für die Fans beginnt der letzte Song 'We', der mit einem galoppierenden Riffgewitter endet. VOLBEAT verabschieden sich mit der offiziellen Bestätigung, dass die Wackener durchaus Rock und Metal sind und freuen sich mit ihnen auf die folgenden MACHINE HEAD.

Machine Head
Und ja. Sie fucking killen. MACHINE fucking HEAD endlich in Wacken. Und das Publikum ist fucking bereit, fucking seine Köpfe zu schwingen und vor allem einen fucking Moshpit zu veranstalten, wie der Wacken-Acker fucking verdammt noch mal maximal so nur bei HEAVEN SHALL BURN malträtiert worden ist. Und das mit Recht: Denn Robb fucking Flynn ist ein Antreiber, der in der Antike auch die Besatzungen von Sklavenschiffen hätte zu Höchstleistungen anspornen können. Denn eines mag der Mann mit den blitzenden Augen nicht: fucking Ruhe in Armen und Beinen. So müssen die Fans bei jedem Song, sei es der Smasher 'Old', sei es die Halbballade 'The Burning Red', immer die Aufforderung vernehmen, sich in irgendeiner Weise zu bewegen, ob springend, moshend oder klatschend. Er fordert seine Zuschauer, dieser Robb Flynn, aber er gibt ihnen auch unheimlich viel Musik und Spirit zurück. Soloeinlagen wie bei 'Halo' zählen eben fucking zum Teufel zu den Momenten, in denen sich ein Metalfan zurücksinken lassen kann im ergreifenden Gefühl, dass eine fucking Gitarre eben doch das geilste Instrument aller Zeiten ist. Und dann eben all diese fucking Circle Pits und fucking Wall Of Deaths, schon beginnend bei dem gigantischen 'Imperium', beleuchtet von den großen Wacken-Scheinwerfern und den Kameras, die die gigantische Stampede der Fans erahnen lässt. Gänsehaut. Wohl dem, der hier noch seine fucking Sinne alle beisammen hat.



Saxon
20 Jahre W:O:A ohne SAXON – undenkbar! Schließlich waren die Sachsen 1992 der erste internationale Top-Act, der den heiligen Acker bei Itzehoe betrat. Seitdem sind die Wacken-Macher der Band freundschaftlich verbunden. Uns so ließ Holger Hübner auf meine Anfrage schon früh die Katze aus dem Sack: „Ja, SAXON sind dabei. Sie spielen ein Best of Set, mit dem beliebtesten Song von jedem der 19 Studio-Alben – gewählt von den Fans.“ Nun ja, so ganz klappte das nicht. Denn Biff & Co. schossen zwar 22 Salven von der Bühne, aber zumindest mir als SAXON Fans seit 1991 fehlt da ein Track vom -zugegeben amerika-orientierten- „Destiny“ (1988). Schade, hatte mich auf „Ride Like The Wind“ gefreut. Das war es aber auch mit den negativen Momenten. Denn SAXON spielen auf dem W:O:A 2009 eine grandiose Headliner Show. Mit gewaltiger Lightshow, Feuer, Pyros unter den gleißenden Strahlern des triumphalen Adlers. Mit einer Setlist, die alles abdeckt - vom aktuellen „Battalions of Steal“ bis zu „Stallions Of The Highway“ aus 1999. Von den umjubelten Klassikern wie „747 – Stranger Of The Night“ oder „Strong Arm Of The Law“ mit Thomas Jensen auf der Bühne bis zum lang nicht gehörten „Rock’n Roll Gypsies“. Dabei rockt Bassist Nibbs wie ein Derwisch, performt Allzeit-Gitarrist Paul Quinn als stünde er unter Tranquillizer und „überrascht“ Biff mit den bekannt-sympathischen Ansagen („Slow song or fast song?“). Nichts wirklich Neues also, aber etwas das das Genre seit den seligen Zeiten der NWoBHM geprägt hat. Und so ist es mehr als verdient, dass Biff Byford bei den Metal Hammer Awards 2009 die Trophäe als Living Legend abräumt. Möge es noch viele so unvergessliche Momente im Zeichen des Adlers geben!



Gwar
Kurz vor ein Uhr in der Nacht, eine Countdown-Uhr zeigt 200 Sekunden bis zum Tod. Die Zeit läuft ab, und ein imaginärer, übergroßer Talkshow-Host betritt die Bühne. Er spricht, im Hintergrund betreten außerirdische Wesen die Bühne. Es kommt, was kommen muss: Der Talkshow-Heini wird geköpft, sein Blut spritzt meterweit ins Publikum, und GWAR übernehmen das Kommando! Was in der nächsten Stunde passiert, ist kaum zu beschreiben. Fantastische Kostüme, die intergalaktische Wrestling-Meisterschaft zwischen Barack Obama und Hillary Clinton, die für beide tödlich und mit viel Blut im Auditorium endet, oder ein Gastauftritt des bis dahin nur vermeintlich verblichenen King of Pop. Dem wird allerdings von Frontmonster Oderus Urungus das Gesicht abgerissen, nun ja, das war's dann endgültig. Musikalisch wird einiges vom bald erscheinenden Album "Lust In Space" und Diverses der älteren Alben geboten. Nun ja, auch irgendwie egal, man guckt einfach nur. Als dann zum Abschluss ein T-Rex auf die Bühne kommt, die Wrestling-Meisterschaft zugunsten der Guten ausgeht und man vor Lachen Bauchkrämpfe bekommt, ist das Wacken fast Geschichte. Mit so einem optischen Highlight am Schluss fährt man doch gut gelaunt nach Hause und freut sich aufs nächste Jahr.



Tracedawn
Obwohl im vergangenen Jahr auf fast allen Festivals kräftig die Werbetrommel gerührt wurde, spielen TRACEDAWN auf der Wet Stage nur vor wenig Publikum. Schade, denn die Finnen enttäuschen nicht. Zieht man bei allen Bands die Spezialeffekte ab, macht der Sechser wahrscheinlich die größte Show: Ohne Pyros, Leuchttafeln oder Kostüme rocken sie die Bühne und gehen richtig ab. Keyboarder, Saitenhexer und Sänger sind Rampensäue, wie sie im Buche stehen. Da reicht der Platz auf der kleinen Bühne gerade mal aus. Neben den Songs ihres selbstbetitelten Debüts spielen sie mit 'In Your Name' auch ein Lied ihres im September erscheinenden Albums "Ego Anthem". Sänger Tuomas singt allerdings tiefer als auf der MySpace-Version.

Impressum