AbandonedThrash Notes>> Mehr Material zur Band

01. The oncoming storm
02. Return to one
03. Take the spell
04. Holy terror
05. Breed machine
06. Phoenix rise
07. Pay the dues
08. Demonic
09. Hell is home
10. You're going down!
11. Nightmares
‚Thrash Metal lebt und die Bay Area befindet sich in Hessen!’ – Dieses auf der Abandoned-Homepage www.gebolze.de (cooler Name übrigens!) hinterlegte Motto trifft es quasi wie die Faust aufs Auge, denn Abandoned gehören ausnahmsweise mal nicht zu der Vielzahl aufstrebender deutscher Bands, die sich am heimatlichen Thrash Metal – Sound der Marke Kreator / Destruction / Sodom orientieren, sondern fühlen sich tatsächlich offensichtlich in der Bay Area pudelwohl. Wer also auf Bands wie Testament (bis „The ritual“), (alte!) Metallica, Exodus (ausgenommen die ‚mittlere’ Phase) oder (alte) Slayer steht, wird an dem Quartett aus Hessen seine helle Freude haben, das mit „Thrash notes“ old schoolig wie eh und je klingt und mächtig 80er Jahre Atmosphäre verbreitet.

Neben zwei weit überdurchschnittlichen Veröffentlichungen, „Forcefed“ (Demo, 2000) und „Misanthrope“ (Eigenproduktion, 2003), konnten sich Abandoned in den letzten Jahren vor allem durch fulminante Auftritte den Ruf einer erstklassigen Live-Band erspielen. Nackenbrechender Thrash Metal gepaart mit maximaler Spielfreude und einem außergewöhnlichen, energiegeladenen Stageacting sorgte zum Beispiel dafür, dass Abandoned zum heimlichen Sieger des Rock Hard Open Airs 2005 wurden, wobei die Band auch auf dem Earthshaker Festival und dem Wacken Open Air auf ganzer Linie überzeugen konnte. Der verdiente Lohn nach einem überragenden Jahr 2005: Der Plattenvertrag mit dem Label Dockyard 1, über das nun das noch im November / Dezember 2005 aufgenommene Debütalbum „Thrash notes“ erscheint. Als positiv möchte ich dabei hervorheben, dass Abandoned für ihr Debütalbum nur einen einzigen Song der beiden bisherigen Veröffentlichungen als Neueinspielung verwendet haben: Track Nummer acht, „Demonic“, entstand ursprünglich 1999 und hieß auf dem „Forcefed“ – Demo noch „Demonic invocation“. Ansonsten hat man es im Falle von „Thrash notes“ von der ersten bis zur letzten Sekunde mit absolut neuem Material zu tun.

Und keine Sorge: Das neue Material steht den alten Songs in nichts nach und biedert sich trotz Plattenvertrag zu keiner Sekunde in irgendeiner Art und Weise dem Mainstream an (warum auch?). Eric „Kalli“ Kaldschmidt (v., g.), Holger „Holg“ Ziegler (g.), Günter „Günt“ Auschrat (b.) und Konrad „Konny“ Cartini (d.) präsentieren sich immer noch tief in den Achtzigern verwurzelt, kaum verändert, und trotzen sämtlichen neuartigen Einflüssen und Entwicklungen der letzten Jahre. Auf „Thrash notes“ regiert einmal mehr das absolute Thrash – Brett: Ein Feuerwerk aus ebenso messerscharfen wie prägnanten Killerriffs, Gitarrenduelle vom Allerfeinsten, zweistimmige Leads, ein mächtig Druck erzeugender, leicht an den Overkill-Sound angelegter Bass, und ein treibendes, songdienliches, nicht zu vertracktes Schlagzeugspiel. Dabei werden in die unaufhaltsam nach vorne drückenden Uptemo-Songs auch immer wieder Breaks / Tempowechsel und fette Midtempo-Parts zwischengeschaltet – inklusive eingebauter Mosh-Garantie! Zu „Thrash notes“ kann einfach von der ersten bis zur letzten Sekunde bis zur Erschöpfung die Matte geschüttelt werden, während sich die Band den Arsch abspielt und in kompositorischer und spieltechnischer Hinsicht absolut überzeugen kann. Das Album ist einerseits ausgeklügelt, was Langeweile vermeidet, jedoch auf der anderen Seite nicht zu überfrachtet, so dass maximaler Spaß garantiert ist. Und dies ist auch mit ein Grund, warum Abandoned für mich zu den größten deutschen Hoffnungen im Thrash Metal – Bereich zählen!

Nach einem kurzen Sturm-Intro brettert bereits der Opener „The oncoming storm“ am Hörer vorbei, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Mit „Return to one“ folgt das erste Highlight der CD: Eine Thrash-Granate mit powervollem Mitgröhl-Refrain, die keine Wünsche offen lässt – da fliegen die Matten und werden die Fäuste gereckt! Auch „Take the spell“ und „Holy terror“ mit ihrem 80er Jahre-typischen Ufta-ufta-Schlagzeug treffen den Hörer wie Keulenschläge, ehe „Breed machine“ wieder mal einen bierseeligen Mitgröhl-Refrain, sowie einen fetten Mosh-Part auffährt. „Phoenix rise“ tritt den Hörer mächtig in den Allerwertesten und in „Pay the dues“ wird gerifft was das Zeug hält. Sehr geil! Wer jetzt schon schlappt macht, wird mit dem ollen Schinken „Demonic“ wieder unbarmherzig auf die Beine gezogen und bekommt mit „Hell is home“ den nächsten Schlag ins Gesicht verpasst. Auch mit „You’re going down!“ (starke Melodiebögen im Refrain) schwingen sich Abandoned noch einmal zu Höchstleistungen auf, ehe das schnelle „Nightmares“ den perfekten Rausschmeißer eines mächtig rockenden Albums darstellt.

Musikalisch ist also mal wieder alles mehr als im grünen Bereich, denn „Thrash notes“ enthält frei nach dem Motto ‚All killers, no fillers’ ausschließlich Hammer-Songs und keinen einzigen Füller, jedoch kann ich der Band eine kleine Nörgelei nicht ersparen: Sänger (auch Gitarrist) Kalli präsentiert sich zwar verbessert im Vergleich zu den beiden bisherigen Veröffentlichungen, kann aber dennoch meines Erachtens nach mit dem hohen Standard der Musik nicht mithalten. Die Vocals sind einfach zu gleichförmig und liegen stellenweise sogar ein wenig neben der Spur. Nicht auszudenken, welchen neuerlichen Sprung nach vorne Abandoned machen würden, wenn sie einen wirklich herausragenden Sänger in ihren Reihen hätten… Aber unter dem Strich kann der ‚lediglich’ durchschnittliche Gesang den überzeugenden Gesamteindruck natürlich nicht schmälern. Zu letzterem trägt im Übrigen auch das coole Cover Artwork von Axel Hermann und die mächtig old schoolige Produktion bei, die sich von den heutigen überproduzierten und gleichförmig klingen Alben wohltuend abgrenzt (aber dafür auch in hohem Maße Geschmackssache ist). Allerdings meine ich erstaunlicherweise zwischen einigen Songs ein paar soundtechnische Unterschiede herauszuhören, was dazu führt, dass sich das Material klanglich nicht immer wie aus einem Guss anhört. Für ein Studioalbum, das doch eigentlich einen ‚flüssigen’ Klang haben sollte, ist dies eher ungewöhnlich, aber unter dem Strich nebensächlich, da die Unterschiede sehr gering sind.

„Thrash notes“ wird (Gott oder wem auch immer sei Dank) zwar keinen Innovationspreis gewinnen, dafür aber auf dem Siegerpodest bei der Wahl zur besten Thrash – Keule 2006 einen der vorderen Plätze belegen!

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