Alice CooperDirty Diamonds>> Mehr Material zur Band

01. Woman Of Mass Distraction
02. Perfect
03. You Make Me Wanna
04. Dirty Diamonds
05. The Saga Of Jesse Jane
06. Sunset Babies (All Got Rabies)
07. Pretty Ballerina
08. Run Down The Devil
09. Steal That Car
10. Six Hours
11. Your Own Worst Enemy
12. Zombie Dance
13. Stand (Bonustrack)
Den Namen ‚Alice Cooper‘ nicht zu kennen ist ungefähr genauso schlimm, wie den Bauchnabel einer Frau für ihr Geschlechtsteil zu halten… (meine Fresse, dieser schlechte Humor – ich sollte die Sauferei aufgeben!). Jedenfalls erinnere ich mich als wäre es erst gestern gewesen, wie ich in einem (mittlerweile nicht mehr existierenden) CD – Geschäft in Wuppertal stand und auf einem im Boden eingelassenen Fernsehgerät ein Video des Schock – Rockers sah. In meinem zarten Alter stolperte ich - bildlich gesprochen - somit über jenen finsteren Gesellen, der zu (wie ich in meinen ‚Anfangstagen’ dachte) übler Musik mit Totenschädeln hantierte. Vermutlich war das der erste Horror – Streifen, den ich in meinem Leben gesehen habe?! Außerdem gibt es wohl kaum eine Abschlussklasse, die sich nicht mindestens einmal „School’s out“ auf der Abschiedsfeier reingezogen hat, auch wenn der große Teil der feiernden Leute absolut gar nichts für Metal übrig hat!? Da sich meine Kenntnisse jedoch ausschließlich auf den bereits genannten Song und den Silberling „Thrash“ aus dem Jahre 1989 beschränken, bleibt mir lediglich, die aktuelle Veröffentlichung „Dirty Diamonds“ fernab einer Alice Cooper – Diskography zu beschreiben und zunächst zwei Sätze aus dem der Presse beigelegten Info – Schreiben zu zitieren: „Mit seinem neuen Album kehrt Alice Cooper erneut zu seinen musikalischen Wurzeln zurück. Wer ‚Billion Dollar Babies’ mehr schätzte als ‚Hey stoopid’, den wird ‚Dirty Diamonds’ begeistern.“

Tatsächlich ziehen die zum Teil irgendwo zwischen AC/DC und den Beatles liegenden Songs mit der typischen Alice Cooper – Eigendynamik den Hörer durchweg in ihren Bann. Heutzutage wird der Begriff ‚Old School‘ größer geschrieben denn je, wer daher auf großartigen Rock aus der Vergangenheit steht, sollte sich diese Scheibe nicht entgehen lassen. Wobei sie aber nicht bloß als eine Art Renaissance, sprich: Rückbesinnung auf alte Klamotten zu deklarieren ist, sondern auch heutzutage deutlich zeigt, wie eine Rock – Platte klingen muss. Gleich beim Opener „Woman of mass distraction“ verkriecht sich jede Giftschlange in der Augenhöhle eines Schädels und hofft darauf, nicht vom Altmeister gefunden und malträtiert zu werden. An dritter Position steht die für mich stärkste Komposition „You make me wanna“, die exakt das sein dürfte, was jeder Fan von seinem Idol hören will. „The Saga of Jesse Jane“ beginnt mit der Textzeile „I’m in jail in a Texas town...“ und weist dementsprechend den unverwechselbaren Country-Sound auf, der die Geschichte eines einsamen und erzählenden Cowboys untermalt. „Run down the devil“ hingegen erinnert gesanglich phasenweise an Marilyn Manson und „Six hours“ durch die hohe Gitarrenmelodie und den dahin fließenden Verlauf an ein Stück von Santana. Alice Cooper und seine Band, bestehend aus Ryan Roxie, Damon Johnson, Chuck Garric und Tommy Cufetos, haben nicht nur eine bodenständige Rockplatte geschaffen, sondern gleichzeitig auch ein breites Spektrum verschiedener musikalischer Tendenzen abgedeckt. Dabei sind die humorvollen Texte das Salz in der Suppe und durchaus auf Persönlichkeiten aus der Gegenwart bezogen, so heißt es in „Perfect“: „She can shake it just like J-Lo. When the bedroom lights go down.” Die Zusammenarbeit mit Xzibit bei „Stand“ legitimiert sich dadurch, dass es sich bei dem Ergebnis lediglich um einen Bonustrack handelt. Somit ist dies ebenfalls positiv zu bewerten, schließlich verbindet Musik und sollte keine Feindschaften entstehen lassen bzw. zumindest Toleranz als gemeinsame Basis sehen.

Ein zweites „Poison“ kann man zwar auf „Dirty Diamonds“ nicht ausmachen, dennoch können sich, bis auf das Titelstück, alle Songs sehen lassen. Wer die neuen und sicher auch viele alte Hits live hören will, sollte die Tourdaten abchecken (und wird feststellen, dass die Rocklegende auch in unserem schönen Städtchen Halt macht). Rock on!

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