AnnihilatorAll For You>> Mehr Material zur Band

01. All for you
02. Dr. Psycho
03. Demon dance
04. The one
05. Bled
06. Both of me
07. Rage absolute
08. Holding on
09. Nightmare factory
10. Sound of horror
Für viele Metal – Fans handelt es sich bei Annihilator schon lange nicht mehr um eine vollwertige Band, sondern eher um das Solo – Projekt des Gitarristen und Songwriters Jeff Waters. Kein Wunder, denn Tatsache ist: die Fluktuation an Musikern bei Annihilator ist rekordverdächtig hoch und die letzten Monate waren wieder einmal gekennzeichnet durch ein wahres Besetzungschaos. Lediglich Curran Murphey (g.) ist neben dem Meister himself noch von der „Waking the fury“ (2002) - Mannschaft übrig geblieben. Die Rhythmus – Sektion wird seit neuestem gebildet durch Rob Falzano (b.) und Sandor de Bretan (dr.), des weiteren wurde Dave Padden als neuer Sänger ins Boot geholt. Und gerade letztere Maßnahme, soviel sei vorweggenommen, hat sich absolut bezahlt gemacht.

Die 10 neuen Songs im Einzelnen:

All for you: Der Song beginnt mit einem Basslauf als Intro und entwickelt sich zu einem schleppenden und groove-orientierten Stück zum Mitwippen mit verhältnismäßig simplem Gitarren – Riffing. Das Ganze kommt insgesamt nicht nur ziemlich modern daher, sonder auch ein wenig langweilig. Hier schlägt sich Jeff Waters definitiv unter Wert und man muß konstatieren: ein schlecht gewählter Opener!

Dr. Psycho beginnt unheilschwanger mit einem Intro aus Gitarre und Gesang. Nach etwa 2 Minuten (mit dem Einsatz des Schlagzeugs) ziehen dann so langsam dunkle Wolken auf und nach weiteren 30 Sekunden bricht ein Gewitter über den Hörer hernieder: eine eher traditionelle Annihilator – Uptempo – Nummer mit Thrash Metal – Riffing. Sänger Dave Padden hört sich in den Strophen wie ein tief singender James Hetfield an. Sehr stark sind der aggressive Thrash Metal – Zwischenteil nach ca. 4 Minuten (hier denkt man, Metallica’s Sänger ist höchstpersönlich zu hören) und die verspielten, typischen Annihilator - Gitarrenläufe nach ca. 4 ½ Minuten. Insgesamt ist „Dr. Psycho“ knapp 7 Minuten lang und versöhnt für das eher schwächere „All for you“.

Demon dance: Eine was die Instrumentierung anbelangt 1 A – Thrash Metal – Abrissbirne mit durchgedrücktem Gaspedal, entsprechenden Gitarrenriffs und pfeilschnellen Soli. Allerdings erinnert die kranke Gesangsperformance ein wenig an System Of A Down und ist mit Sicherheit gewöhnungsbedürftig. Nach ca. 2 ½ Minuten wird vorübergehend ein wenig das Tempo herausgenommen, um die Gitarrenläufe mehr in den Vordergrund zu stellen, ehe man nach 3 ½ Minuten wieder Gas gibt.

The one ist eine 4 ½ - minütige, warme Ballade, bei der Sänger Dave Padden eine weitere Seite seiner variablen Stimme präsentiert und dabei absolut überzeugen kann. Ein radiotauglicher Ohrwurm mit Melodie zum Mitsummen.

Bled: Hier hat erneut ganz offensichtlich James Hetfield und nicht Dave Padden die vocals eingesungen... Ansonsten ist „Bled“ ein Midtempo – Groover, der in den Strophen zum Rübeschütteln und im melodischeren Refrain zum Mitwippen animiert. Der Song kommt gegen Ende nicht ohne Jeff Waters‘ mitreißende Gitarrenläufe und –soli aus.

Both of me: Hier wird zu Beginn erst einmal eine Mintute lang thrash metal-mäßig losgehackt, ehe ein balladesker Part mit Gitarre und Gesang eingeschoben wird. Nach 2:20 Minuten folgen wieder Thrash Metal – Riffs und entsprechendes Power – Drumming, von der Atmospäre her eine Mischung aus „Criteria for a black widow“ und „Alice in hell“. Insgesamt 8 starke und gitarrenorientierte Minuten!

Rage absolute dagegen kommt (bei einer Länge von ca. 4 ½ Minuten) bereits bei den ersten Noten auf den Punkt. Der Song enthält Griffbrettgewichse und Jeff Waters‘ Schredder-Gitarre im traditionellen Annihilator-Stil, allerdings stellenweise auch einen annähernd so kranken Gesang wie „Dr. Psycho“.

Holding on ist eine nur mit Gitarre und Gesang eingespielte Ballade, die von „The one“ nicht weit entfernt ist.

Nightmare factory: Der Song beginnt zwar mit einem melodischen Gitarrenriff, entwickelt sich dann aber zu einer eher ungewöhnlichen Nummer mit modernem, abgehakten Gitarrenriff und erneut leicht System Of A Down – mäßigem Gesang in den Strophen. Das melodische Motiv vom Anfang wird aber stetig wiederholt, was dem Song seine Dynamik verleiht. Auch Jeff Waters‘ Gitarrenläufe, die in den Song eingebaut wurden, muten moderner als gewohnt an. Ein wenig ungewöhnlich, aber interessant.

Sound of horror ist ein schleppendes Instrumental, das unspektakulär und eher langweilig ist (somit schließt sich der Kreis: die langweiligen Nummern stehen am Anfang und Ende des Albums).

Insgesamt lässt sich sagen: Die CD enthält einige neue Farbtöne im Annihilator – Sound, die mit Sicherheit nicht zu erwarten gewesen sind und die bei dem einen oder anderen für Diskussionsstoff sorgen könnten. „All for one“ ist kein ‚Nummer sicher‘ – Album und man merkt ihm (logischerweise) die Jahre an, die es von „Alice in hell“ (1989) und „Never, neverland“ (1990), DEN Band – Klassikern schlechthin, entfernt ist. Allerdings ist es auch kein zum Scheitern verurteiltes Experiment wie „Remains“ (1997) und der gewöhnungsbedürftige Sound des Vorgängers, „Waking the fury“ (2002), wurde zum Glück nicht übernommen, wenn auch die Produktion von „All for one“ eher modern daherkommt. Man könnte es so ausdrücken: die typischen Annihilator – Trademarks haben eine moderne, vielleicht auch für den einen oder anderen gewöhnungsbedürftige, aber meiner Meinung nach keineswegs störende, Einfärbung bekommen, wobei unter dem Strich ein starkes Album herausgekommen ist.
Der neue Sänger, Dave Padden, liefert definitv eine großartige Leistung ab und präsentiert eine Stimme, die er den einzelnen Songs aufgrund seiner Variabilität hervorragend angepasst hat. Der Mann hat einfach eine unglaubliche Bandbreite an Stimmlagen parat und ist für Annihilator eine absolute Bereicherung. Hoffentlich darf noch ein paar weitere Scheiben einsingen...

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