AnnihilatorSchizo Deluxe>> Mehr Material zur Band

01. Maximum Satan
02. Drive
03. Warbird
04. Plasma zombies
05. Invite it
06. Like father, like gun
07. Pride
08. Too far gone
09. Clare
10. Something witchy
Im Metal – Bereich ist seit ein paar Jahren so etwas wie eine Retro – Welle ausgebrochen: Beispielsweise veröffentlichten Testament ein Album mit Neueinspielungen alter Klassiker („First strike still deadly“, 2001), Anthrax taten es ihnen gleich („The greater of two evils“, 2004), viele Bands (u.a. Exodus, Gorefest) feierten ihre erfolgreiche Wiedervereinigung, alte Cover-Motive wurden reanimiert (z.B. Destruction’s Mad Butcher auf „Inventor of evil“, 2005) und sogar Fortsetzungen großer Karriere – Highlights geschrieben (Helloween’s „Keeper of the seven keys – the legacy“, 2005, oder Queensryche’s „Operation: Mindcrime II“, 2006). Die Liste an Beispielen ließe sich ins Unermessliche fortführen, doch eine Band würde auf ihr wohl nicht zu finden sein: Annihilator.

Mastermind Jeff Waters kann oder möchte aus welchen Gründen auch immer einfach kein traditionelles Annihilator – Album mehr veröffentlichen (das ist auch sein gutes Recht, keine Frage), dabei würde das Gitarrenwunder sicherlich nicht nur mich zur absoluten Ekstase bringen, würde er sich endlich mal wieder an seinen unsterblichen Meisterwerken „Alice in hell“ (1989), „Never Neverland“ (1990) oder von mir aus auch „Set the world on fire“ (1993) orientieren. So sehr Waters damals mit diesen drei Longplayern neue Maßstäbe in Sachen Gitarrenarbeit und Arrangements im Bereich melodisch-aggressivem Power/Thrash Metal setzen konnte, so durchschnittlich waren meines Erachtens nach alle folgenden Veröffentlichungen aus dem Hause Annihilator, die immer irgendwie orientierungslos wirkten und die Fans niemals mehr auf einen Nenner bringen konnten. Der eine Anhänger findet das eine Album gut, der andere ein anderes, doch bedingungslos alle Fans in Begeisterung vereinen konnte seit „Set the world on fire“ keine Scheibe mehr.

Nun hatte Waters vor der Veröffentlichung von „Schizo deluxe“ angekündigt, zurück zu seinen Wurzeln gehen zu wollen, was mich hatte aufhorchen lassen. Doch das ganze muss man eigentlich recht schnell wieder relativieren: Gut, in „Schizo deluxe“ kommen wieder vermehrt traditionelle Thrash – Riffs zum Zuge und die Platte ist nicht so experimentell wie der von den meisten (nicht von mir) ungeliebte Vorgänger „All for you“, doch von alten Glanztaten sind Waters und Co. immer noch meilenweit entfernt. Klar, es wird stellenweise wieder richtig Gas gegeben und es kommen neben allen modernen Elementen auch wieder typische Annihilator – Trademarks zum Vorschein, doch sind wir mal ehrlich: Sein außergewöhnliches Händchen für gute Songs scheint Waters irgendwie abhanden gekommen zu sein, denn auf „Schizo deluxe“ befindet sich unter dem Strich auch viel Durchschnitt. Zu den wirklich guten Songs zählen der sich im Midtempo – Bereich bewegende Opener „Maximum Satan“, das pfeilschnelle und als Mischung aus typischer Annihilator – Thrashkeule und Metallica’s „Battery“ daherkommende „Drive“, das total kranke und mit leicht angezerrten Tom Araya – Vocals ausgestattete „Plasma zombies“, sowie das in die gleiche Kerbe wie „Drive“ schlagende „Pride“. Das restliche Material ist leider musikalisch unspektakulär bis belanglos und was mir vor allem auf die Dauer einigermaßen auf den Sack geht, ist David Padden’s Gesang, der zu großen Teilen als monotonere und stellenweise sogar nervige Ausgabe von James Hetfield durchgeht (auf dem Vorgänger hatte er mir noch wesentlich besser gefallen). Wie’s richtig geht (damit bin ich wieder bei der Musik), zeigen die beiden Digibook – Bonustracks „I am in command“ und „Annihilator“ – es ist fast schon als mutig zu bezeichnen, dass diese beiden alten Thrash – Granaten als Bonus verwendet wurden.

Ich weiß, in anderen Magazinen hat „Schizo deluxe“ mehrheitlich gute Kritiken bekommen, doch die Geschmäcker sind nun mal verschieden. Für mich zeichnet es sich ab, dass auch „Schizo deluxe“ das Fanlager erneut spalten wird: Die eine Hälfte wird es mögen, die andere Hälfte nicht – ich gehöre dieses Mal leider zu letztgenannter Fraktion. Klar, technisch sind die Musiker einmal mehr über jeden Zweifel erhaben und ein gewisses Mindestniveau wird der Meister sicherlich nie in seinem Leben unterschreiten (deshalb halte ich seinen Veröffentlichungen auch bedingungslos die Treue), doch bei mir will „Schizo deluxe“ einfach nicht richtig zünden. Punkt.

Die limitierte Erstauflage kommt als Digibook und enthält die drei Bonustracks „Weapon X“ (remastered from 2004 AFM release “The one”), „I am in command (first rehearsal with Coburn Pharr / Neverland line-up 1990), sowie "Annihilator” (first ever studio recording by Annihilator, with John Bates 1985).

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