Judas PriestAngel Of Retribution>> Mehr Material zur Band

01. Judas rising
02. Deal with the devil
03. Revolution
04. Worth fighting for
05. Demonizer
06. Wheels of fire
07. Angel
08. Hellrider
09. Eulogy
10. Lochness
Als ich die neue Judas Priest – CD „Angel of retribution“ in meinen zittrigen Händen hielt, konnte ich es noch kaum glauben: das erste Judas Priest – Album mit Rob Halford am Mikro seit geschlagenen 15 Jahren! Dabei ist die Band ob der enormen Erwartungen, die allseits an den Wiedereinstieg des ‚Metalgods‘ gestellt wurden und werden, wohl kaum zu beneiden. Alles andere als ein Meilenstein oder zumindest DAS Metal-Album des Jahres 2005 wäre für die meisten wohl eine Enttäuschung. Dabei dürften die Hoffnungen der Fans, was die Ausrichtung des neuen Materials anbelangt, durchaus in unterschiedliche Richtungen gegangen sein. So erwarteten die einen im Vorfeld wohl ein zweites „British steel“, die anderen ein zweites „Screaming for vengeance“ und wieder andere den unmittelbaren „Painkiller“ – Nachfolger. Kein leichtes Unterfangen also für Rob Halford (v.), Glenn Tipton (g.), K.K. Downing (g.), Ian Hill (b.) und Scott Travis (d.), es ALLEN recht zu machen, denn nur in einem werden sich wohl alle Priest – Fans einig gewesen sein: ein klassisches Judas Priest – Album sollte es sein und unter keinen Umständen ein weiteres ‚modernes‘ Album der Marke „Jugulator“ (1997) oder „Demolition“ (2001)!

Als ich Ende letzten Jahres die erste Single – Auskopplung des Albums hörte, wurde mir ehrlich gesagt Angst und Bange, denn „Revolution“ ist nicht unbedingt klassischer Judas Priest – Stoff und noch dazu richtiggehend langweilig. Doch bereits nach dem ersten Komplettdurchlauf von „Angel of retribution“ konnte ich mir erstmal den Angstschweiß von der Stirn putzen und durchatmen, denn Halford & Co. haben unter dem Strich wirklich klassisches Priest – Material abgeliefert und die Single „Revolution“ ist meiner Meinung nach (zum Glück) das schlechteste Stück der gesamten Platte. Dabei könnte der Band eventuell sogar das Kunststück gelungen sein, es wirklich JEDEM recht gemacht zu haben, denn für „Angel of retribution“ scheint das Quintett intensiv den eigenen Backkatalog durchgehört und die prägnantesten Elemente aus allen Phasen der Bandgeschichte (natürlich nur mit Halford) zusammengetragen zu haben, sei es nun in Form von hymnischen Midtempo – Songs, knackigen Bangern oder härteren Riffgewittern mit gesteigertem Tempo.

Die zehn Songs im einzelnen: „Judas rising“ ist ein sehr geiler, mächtiger Opener mit fortwährender Doublebass, der sich schnell als das beste entpuppt, was die beteiligten Herren seit 1990 veröffentlicht haben. Es folgt als irgendwie typische ‚Nummer 2‘ der klassische Banger „Deal with the devil“, der zwar einen Gang zurück schaltet, aber nichtsdestotrotz ebenso mitreißend wie der Opener ist. Dagegen ist „Revolution“ meiner Meinung nach absolut langweilig (siehe oben) und wird von mir deshalb regelmäßig übersprungen. „Worth fighting for“ erinnert mich vom Groove her ein wenig an AC/DC’s „Who made who“, weist aber einen Priest – typischen, hymnenhaften Refrain auf. Der Kracher „Demonizer“ steht von der Ausrichtung her in der Nähe des „Painkiller“ – Albums, während „Wheels of fire“ an die „Screaming for vengeance“ – Phase angelehnt ist. Leider folgt mit der schlichten 08/15 – Ballade „Angel“ für mich der zweite Ausfall der Scheibe, wohingegen „Hellrider“ wiederum den „Painkiller“ aufleben lässt. Sehr geil! „Eulogy“ ist für mich ein musikalisch eher unbedeutendes Zwischenspiel, dessen Text aber einige Priest – Zitate enthält („Stained class“, „The sentinel“) und dem ganzen deshalb einen gewissen Kultfaktor verleiht. „Eulogy“ stellt die Einleitung für einen Rausschmeißer dar, den man von Judas Priest so nicht unbedingt erwartet hätte: das epische, knapp 14minütige „Lochness“, das in den Strophen Black Sabbath alle Ehre macht und dessen Refrain an alte Manowar erinnert. Ein faszinierender Song, der mit jedem Durchlauf wächst und das Album in würdiger Art und Weise abrundet.

Produzent Roy Z, der ganz offensichtlich aufgrund seiner Arbeiten an den beiden Halford – Soloscheiben den Zuschlag für das neue Judas Priest – Album bekommen hatte, hat soundmäßig ganze Arbeit geleistet und „Angel of retribution“ einen angemessen fetten, aber gleichzeitig traditionellen Klang verpasst.

Judas Priest haben mit „Angel of Retribution“ nicht unbedingt das ultimative Metal – Album des Jahres abgeliefert und ob die CD ein Meilenstein wird, wird die Zeit zeigen müssen. Festzuhalten aber bleibt: alle Judas Priest – Fans erhalten mit „Angel of retribution“ genau das, worauf sie seit 15 Jahren sehnlichst gewartet haben – nämlich ein traditionelles Judas Priest – Album, das alle Stärken der Band verbindet. Endlich sind wieder die typischen Tipton / Downing – Gitarrenduelle zu hören und endlich steht der Metalgod wieder hinter dem Mikro. Zwar ist Halford’s Gesang nicht so extrem wie zu seinen Glanzzeiten, ein paar Abstriche müssen da schon gemacht werden, aber Rob’s Stimme gehört einfach zu Judas Priest wie ein frisch gezapftes Bier hinter die Binde! Somit hat das Songwriting – Trio Halford / Tipton / Downing (trotz der angesprochenen Ausfälle) alles richtig gemacht, und das trotz der enormen Erwartungshaltung, die sicherlich auch für ebenso großen Druck während des kreativen Prozesses gesorgt haben dürfte.

The priest is back!

Die limitierte Erstauflage des Albums erscheint im Digibook inklusive einer Bonus-DVD, die Aufnahmen der ‚Reunited‘ – Tour im Sommer 2004 enthält, im Kern die Live-Tracks „Breaking the law“, „Metal Gods“, „A touch of evil“, „Hell bent for leather“, „The hellion / Electric eye“, „Diamonds & rust“ und „Living after midnight“. Es lohnt sich also, rechtzeitig zuzuschlagen!

ShamRock

Impressum