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Ten Years In Hell
Nur knapp drei Monate nach Erscheinen des „Schizo deluxe“ - Albums gibt es eine weitere Veröffentlichung aus dem Hause Annihilator: Die Doppel-DVD „Ten years in hell“, bei der es sich, wie unschwer am Titel zu erkennen ist, um eine History-DVD handelt. Behandelt werden dabei die ersten zehn Jahre der bewegten Bandgeschichte von „Alice in hell“ (1989) bis zum „Criteria for a black widow“ (1999) - Album. Und wenn ich sehe, welche Bands sich heutzutage bereits nach zwei oder drei veröffentlichten Longplayern anmaßen, ’ne DVD auf den überfüllten Markt zu schmeißen, um den Konsumenten in entsprechenden Interviews mit ihrer sogenannten ‚Bandgeschichte’ zu nerven, kann ich nur sagen: Im Falle Annihilator wurde es auch langsam mal Zeit für die erste diesgeartete Veröffentlichung, denn diese Band hat wirklich ein Stück Musikgeschichte (im Metalbereich) geschrieben und mit Sicherheit viel zu erzählen. So schmiss ich voller Vorfreude – Annihilator gehören zu meinen absoluten All Time Favourites – die beiden Silberlinge hintereinander in meinen DVD-Player… und wurde nicht enttäuscht.

Der erste Silberling geht hinsichtlich der Geschehnisse der ersten zehn Jahre der Bandgeschichte noch nicht allzu sehr in die Tiefe (dafür ist DVD Nummer zwei zuständig), sondern bietet von Kapitel 1 bis 18 eine chronologische Zusammenstellung von zeigenswertem Videomaterial, das sich im Laufe der Zeit bei Annihilator angesammelt hat. So bekommt der geneigte Fan Videoclips („Alison hell“, „Stonewall“, „Set the world on fire“, „King of the kill“, „21“, „Only be lonely“ und „Syn. kill 1“), Live-Sequenzen („The fun palace - Live 1990“), kultige Fernsehauftritte aus „Alice in hell“ und „Never, neverland“-Zeiten (ein Moderator lässt sich von Jeff Waters erklären, warum Metal so laut sein muss, ein anderer bewundert des Meisters ‚fast fingers’), Backstage-Szenen, Studio- und Proberaum-Aufnahmen, sowie diverses anderes Material geboten, das sehr unterhaltsam und abwechslungsreich die ersten zehn Jahre Annihilator Revue passieren lässt. Ab Kapitel 19 wurden zusätzlich noch einige Live-Mitschnitte in loser Abfolge angehängt, u.a. „Alison / Homicide“ live in Belgien 2000, „Ultraparanoia“ live 1996, das AC/DC-Cover „Live Wire“ live 1990, sowie „I am in command“ vom zweiten Auftritt mit Sänger Randy Rampage aus dem Jahre 1989. Die Bild- und Tonqualität der DVD erreicht zwar größtenteils nicht den Standard heutiger Aufnahmen (gerade die Live-Mitschnitte kommen nicht über Bootleg-Niveau heraus), aber das ist nur allzu verständlich, wenn man bedenkt, dass Annihilator ihren Werdegang nie ‚professionell’ mitgeschnitten oder Wert auf entsprechendes Equipment gelegt haben, so dass Jeff Waters eben zum Teil auf mit Handkameras oder von Fans mitgeschnittenem und eingesandtem Material zurückgreifen musste. Dennoch: Durch entsprechende Nachbearbeitung wurde die Zusammenstellung auf ein Level gesetzt, das einen ungetrübten Konsum der DVD absolut garantiert, so dass den unterhaltsamen 113 ½ Minuten des ersten Silberlings kein Hindernis im Wege steht.

Während die erste DVD schwerpunktmäßig auf die Musik Annihilators setzt, geht die zweite Scheibe inhaltlich mehr in die Tiefe. Jeff Waters zeichnet im Studio sitzend die ersten Jahre der Bandgeschichte nach, wobei der Monolog des Meisters immer wieder durch Fotos oder Live-Sequenzen unterlegt wird, um das Ganze nicht zu langweilig werden zu lassen. Dabei beginnt Waters in seiner eigenen Kindheit (die ersten Gitarrenstunden, die erste gekaufte CD etc.), wandert verbal durch die Demo-Tage Annihilators und kommentiert die ersten sieben Alben „Alice in hell“, „Never, neverland“, „Set the world on fire“, „King of the kill“, „Refresh the demon“, „Remains“ und „Criteria for a black widow“ mit all ihren zahlreichen Besetzungswechseln. Damit wären wir auch schon bei einem speziellen Thema: Leider kommen auf dieser Veröffentlichung nicht alle ehemaligen Annihilator-Musiker zu Wort, was nach Angaben von Jeff Waters zwar durchaus beabsichtigt gewesen sei, von einigen ehemaligen Mitgliedern jedoch aus Mangel an Interesse abgelehnt worden wäre. So geben zwar Weggefährten wie John Bates, Coburn Pharr, Russell Bergquist, Mike Mangini und Neil Goldberg ihren Senf ab, trotzdem fehlen einige Musiker, die wichtig für die Entwicklung Annihilators waren, wie z.B. Randy Rampage oder Ray Hartmann. Aber was soll’s, schließlich gilt: Wer nicht will, der hat schon.

Unter dem Strich ist Jeff Waters mit dieser knapp 224minütigen History-Doppel-DVD eine Veröffentlichung gelungen, die jeden Annihilator-Fan zufrieden stellen wird, denn das Teil ist sehr unterhaltsam und macht Spaß. Zwar reicht es nicht ganz an den Standard von Sodom’s „Lords of depravity, part 1“ heran, aber das ist auch kein Wunder, schließlich haben die Ruhrpott-Thrasher mit ihrer History-DVD die Meßlatte in Schwindel erregende Höhen gelegt, an die so schnell keine andere Band herankommen wird. „Ten years in hell“ ist ohne Zweifel liebevoll und stimmig zusammengestellt (bis auf das dürftige, gerade einmal 4seitige Booklet), beleuchtet so manche bislang dunkel gebliebene Ecke in der Geschichte Annihilators und hat hohen Unterhaltungswert. Mehr konnte man nicht erwarten. Dass die musikalischen Fähigkeiten des Maestros ohnehin über alle Zweifel erhaben sind und auf lange Sicht noch viele Gitarristen ihr Instrument wütend in die Ecke pfeffern werden, nachdem sie einen Blick auf die Fingerfertigkeit des Annihilator-Gitarristen geworfen haben, war bereits vorher bekannt…

Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung dieser DVD!

ShamRock


Tracklist:

DVD 1:

01. Intro
02. Alison hell
03. Release party
04. TV media one
05. Stonewall
06. TV media two
07. TV media three
08. Backstage
09. Fun palace live
10. TV media four
11. Set the world on fire
12. KOTK back vocals
13. King of the kill
14. Jeff in Japan
15. 21
16. Only be lonely
17. Syn. Kill 1
18. Criteria rehearsal
19. Alison / Homicide
20. Oh Canada
21. Ultraparanoia
22. Pharr live
23. Rampage raw
24. End credits

DVD 2:

01. Pre Annihilator era
02. Demo days
03. Alice in hell
04. Never, neverland
05. Set the world on fire
06. King of the kill
07. Refresh & Remains
08. Criteria
09. Other releases
10. Catch ya later
11. Mike Mangini
12. Neil Goldberg

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