AgathodaimonNeuss, Haus der Jugend 01.10.2004>> Mehr Material zur Band
Endlich haben sich die BlackMetaller von Agathodaimon mal in unsere Nähe verirrt und da kann ich es natürlich nicht sein lassen mich mal ein wenig mit der Band zu unterhalten, bin ich doch Fan der ersten Stunde.


Wie hat es euch denn heute Abend gefallen? Wie war der Gig für euch?

Sathonys: Wir waren recht zufrieden auch wenn die äußeren Umstände etwas heikel waren. Wir hatten einen enorm langen Anfahrtsweg, Stau, wir sind erst ein paar Minuten vor dem Gig angekommen und haben dann noch im Stress aufbauen müssen. Aber was das Wichtigste ist, das Feedback war gut und die Leute haben ihren Spaß gehabt.

Was erhofft ihr euch denn für morgen, ihr spielt ja noch einmal in der Ecke?

Sathonys: Ich bin da immer etwas skeptisch, was zwei Gigs in der gleichen Ecke so nah beieinander angeht, dann überschneidet sich der Kundenkreis immer so ein bisschen… na ja, es ist halt das gleiche Einzugsgebiet… mal schauen was das gibt.

Euer letztes Album ist ja jetzt schon ein Weilchen raus. Wie waren die Reaktionen, die ihr eingefangen habt, sowohl von der Presse, wie auch von den Fans? Ich habe soweit eigentlich nur Gutes gelesen habe.

Sathonys: Ich habe soweit eigentlich auch nur Gutes gefunden, ich versuche ja, da eigentlich schon immer alles zusammen zusuchen. Gut, da waren auch ein paar Onlinemagazine mit dabei, die auf der True Black Metal-Schiene sind, denen hat das Album dann nicht ganz so gut gefallen. Die meinten dann es sei furchtbar und nicht zu ertragen. Ich glaube aber, wenn man aufgeschlossen ist dann sollte man das Album nicht so negativ sehen. Wir haben viel Arbeit in das Album gesteckt und sind damit zufrieden. Klar gibt es immer Sachen die man besser machen will, aber für die Fans die uns schon seit der ersten Stunde begleiten und die bisherige Entwicklung der Band mitgemacht haben ist es mit der Zeit verständlich. Das Lustige an der Sache ist, das der Schritt zwischen dem letzten Album und dem Aktuellen nicht so groß ist wie der zwischen den Anderen. Wir haben die gleiche Methoden gehabt wie beim letzten Mal, haben mit dem gleichen Produzenten gearbeitet und in sofern war der Entstehungsprozess dem von ‚Chapter III' sehr ähnlich. Es ist allerdings schon ein kleiner Wandel zuerkennen, denn es liegen ja drei Jahre zwischen den Alben.

Ich muss offen gestehen, ich finde das neue Album um einiges frickeliger als die Alben davor. ‚Chapter III' konnte ich so durchhören, genau wie die Alben davor, bei dem neuen Album hab ich allerdings einige Durchgänge gebraucht.

Sathonys: Wir haben eigentlich versucht das neue Album um einiges gradliniger zu machen. Die Songs sind nach dem Prinzip Strophe, Chorus, Strophe aufgebaut. Bei den alten Alben kam da eher Riff an Riff. Da hat man sich gedacht, das klingt gut, aber ein wirkliches Konzept war da nicht hinter. Bei ‚Chapter III' haben wir dann schon angefangen umzudenken und die Songs kurzer zu machen. Vor allem auch wegen Konzerten, wie zum Beispiel diesem hier wo man an eine bestimmte Spielzeit gebunden ist. Wenn man nur acht Minuten Songs hat, dann geht man nach fünf Songs von der Bühne. Ich denke auch die stilistische Bandbreite ist auf dem neuen Album größer. Die Ballade war da mal wieder unsere Spielwiese, an der wir uns voll ausgetobt haben. Bei den anderen Sachen haben wir da eher noch weiter zurück gefahren. Wir haben auch einiges an Blastbeats raus genommen. Da sind wir einfach nicht die Band für denen das zu Gesicht steht. Da gibt es andere, wie zum Beispiel Marduk, die das können. Wir haben versucht alles ein wenig zu entschlacken.

Wie sieht denn der Songwrittingprozess bei euch im generellen aus? Ist das eher die Sache von zwei, drei Einzelnen oder steht die ganze Band dahinter? Du sagst, dass ihr das bei den letzten beiden Alben ähnlich gemacht habt. Liegt das daran, dass ihr davor ja immer enorme Probleme mit dem Line Up hattet?

Sathonys: Wir hatten früher das Problem mit unserem Rumänen, der Anfangs ja ein sehr wichtiger Teil der Band war, vor allem auch was das Songwritting angeht. Wir sind keine professionelle Band die darauf angewiesen ist, dass alles reibungslos über die Bühne geht und tausende von Platten zu verkauft. Mir ist da Freundschaft immer sehr wichtig gewesen und das gute Bandklima. Gerade Vlad ist ein guter Freund von mir und da wollte ich das hinbekommen das er wieder nach Deutschland kommt. Aber im Verlauf des Entstehungsprozesses von ‚Chapter III' hat er selber gemerkt, dass das alles nicht klappt und ist ausgestiegen. Dann haben wir versucht das Ganze anders anzugehen. Da ich ja jetzt auch nicht mehr in Mainz wohne, treffen wir uns jetzt immer am Wochenende zum Proben. Da versucht jeder dann die Songs schon in der Woche individuell auszuarbeiten und fertig mitzubringen. Einer hat den Song geschrieben, ein anderer den Text und dann hat unser Keyboarder auch noch seine Ideen mit eingebracht. So haben wir dann immer bevor wir ins Studio gegangen sind eine Vorproduktion gemacht. Deshalb sind die Songs auf den letzten beiden Alben auch teilweise sehr durchsichtig und man hört wer sie geschrieben hat. Frank ist da eher auf das Urtümlich aus, ich bin eher so für das Melodische und ruhige. Unser Neuzugang am Bass, Eddie, hat auch einen Song auf dem neuen Album beigesteuert, genau wie unser Keyboarder. So kriegt man auch viel mehr fertig. Früher war es so, dass wir uns im Proberaum getroffen haben und zusammen gejamt haben. Dann hast du am Ende ein paar Riffs gehabt, an denen du dann beim nächsten Mal weiter gearbeitet hast. An unserem 15 Minuten Song ‚Near Dark' haben wir zum Beispiel dann ein ganzes halbes Jahr geschrieben… da wird man irgendwann wahnsinnig.

Ich habe gelesen, dass Vlad dieses Mal auch wieder zwei Texte mit beigesteuert hat. Wird es da wieder zu einer Zusammenarbeit kommen?

Sathonys: Ich weiß es nicht. Die Sache war halt die, er hat noch was gehabt, was einfach gepasst hat. Mit Songtexten ist das immer so eine Sache. Das klappt meistens nicht. Wir haben eine Zeit probiert Songideen auszutauschen per MP3 die wir dann immer hin und her geschickt haben, aber das war ein sehr langwieriger Prozess und er hatte dann auch irgendwann nicht mehr diese Motivation für diese Art von Musik gehabt. Da hat sich der Musikgeschmack in unterschiedliche Richtungen entwickelt und bei ihm war es da eher das Kommerzielle was er angestrebt hat. Da ist die Wellenlänge nicht mehr dieselbe. Iim Moment zumindest nicht. Vielleicht irgendwann mal wieder, dann aber auch nur wenn er wieder eine Weile in Deutschland ist.

Wenn du schon die Texte ansprichst, gibt es da bei euch einen roten Faden der sich durch das Album zieht oder sind das alles eher Fragmente die sich zusammenfügen und stehen für sich selber?

Sathonys: Jein, es schreibt ja nicht nur einer die Texte sonder jeder für seinen Song. Vor allem der Song von Eddie ("Feelings") sticht da besonders heraus, da er sehr direkt formuliert ist und die ganze Semantik dahinter eher einfacher zu erkennen ist, während ich versuche bei meinen Texten das Ganze eher ein wenig zu verschlüsseln, auch wenn es manchmal auch offensichtlich ist. Bei Eddie und bei mir ist es schon so, dass wir über Dinge schreiben die uns persönlich bewegen. Ich könnte nicht über irgendwelche Dämonen, Teufel oder Satan schreiben. Damit habe ich einfach nichts am Hut und es hat nichts mit meinem Leben zu tun. Es gibt Bands die können das, aber dann ist das halt nur Show. Die Bands die so was ernst nehmen schreiben eigentlich keine Songs darüber. Wir hatten dieses Mal auch ein paar Gastlyrics mit dabei von einem Spanier, Julio Angel Olivares Merino, mit dem wir schon längere Zeit in Kontakt stehen. Er ist Professor für Anglistik in Portugal und sein Vokabular übersteigt das unsere um Längen. Er hat einige Ideen gehabt, die so ausufernd waren, dass man da einen Roman draus hätte schreiben können. Dann haben wir zusammen versucht die Songtexte anzugleichen, was "Cellos for the Insatiable" und "Limbs of a Stare" ergeben hat. Wie gesagt, wir stehen schon länger in Kontakt, da er Mitglied der Dracula Society ist, die sich ab und an mal in Rumänien trifft, und er dort einen Vortrag über die Musik von Agathodaimon gehalten hat.

Das ist eine lustige Bekanntschaft über solch eine Ecke. Habt ihr so was häufiger?

Sathonys: Da kommen schon regelmäßig irgendwelche Anfragen. Letzte Woche hat da einer aus den USA geschrieben, der meinte er wäre der Cousin von Dead (ehemaliger Sänger von Mayhem) und wollte ein Festival organisieren, auf dem wir auch spielen sollten. Aber für einen Single Gig in die USA, das ist schon so Utopisch dass kann nicht war sein. Zudem wäre das auch nicht zu finanzieren bei den Flugkosten. Dann kamen viele Anfragen von Produktionsfirmen für Filmsoundtracks… aber alle diese eigenwilligen Sachen sind immer im Sande verlaufen.

Ihr seid ja von euren Anfangstagen an als die neue deutsche Black Metal Hoffnung gefeiert worden, hat man so was bewusst mitgenommen?

Sathonys: Ich bin da immer zwiegespalten. Mein musikalischer Background hat zwar mit Maiden angefangen, ist dann aber zu Sachen wie In the nightsight Eclipse gewechselt, in die extreme Richtung rein. Das war dann auch das was mich für die Musik von Agathodaimon beeinflusst hat, dieses mystische und atmosphärische in der Musik. Wir wollten nie als Black Metal Band bezeichnet werden, da Black Metal inzwischen schon so weitläufig ist… ist das Mayhem und Darkthrone oder schon so was wie Cradle of Filth und Dimmu Borgir. Wir waren da immer eine Band die zwischen den Stühlen gestanden hat und kein Image hatte. Die Leute wollten uns aber immer in ein Image hinein interpretieren. Wir haben einen Sänger gehabt der Vlad Dracul geheißen hat, da hieß es dann schon wir wären eine Cradle of Filth Kopie, obwohl sich Vlad immer auf die historische Person des Vlad Dracul bezogen hat und nicht auf Brad Strokers Dracula, diese fiktive Gestallt. Es würde viel in alles hinein Interpretiert.
In gewisser Weise fühle ich mich immer noch der Black Metal Szene zugehörig, was das ästhetische der Musik angeht, aber nicht mehr bei dem was in den letzten Jahren mit diesen Nationalsozialistischen Tendenzen, dem ‚du bist True, du bist nicht True' dazu gekommen ist. Was eigentlich die Szene nur kaputt macht. Eigentlich sollte man sich doch unterstützen und nicht verfeinden. Was ich immer toll fand an der Metalszene ist der Zusammenhalt der Leute gewesen, aber der Sinn der Sache ist es doch nicht, dass sich die Untergruppe mit der Untergruppe anlegt.


Wie geht es denn bei euch jetzt weiter? Das Album ist zwar noch nicht wirklich alt, aber schreibt ihr schon an neuem Material?

Sathonys: In erster Linie versuchen wir im Moment unsere Songs livetauglicher zu machen und zum anderen sammelt auch jeder schon neue Ideen für ein neues Album. Wir wollen auf keinen Fall wieder drei Jahre warten, bis zu nächsten Veröffentlichung. Unser Line Up ist im Moment auch stabil und die Chemie stimmt, wir gehen uns nicht auf die Nerven, was einen ja auch immer unheimlich hemmt ...

Eddie: Ich muss immer lachen, wenn ich zur Probe komme und die alle sehe! Ich finde es einfach nur komisch.

Sathonys: ... wir wollen auf jeden Fall versuchen möglichst schnell ein neues Album zu machen.

Ist denn bei euch irgendwas größeres Tourmäßiges geplant? Das hat ja bisher auch nicht wirklich geklappt.

Sathonys: Die eine Tour ist leider abgesagt worden. Aber ansonsten bekommen wir schon immer mal wieder eine Tour mit einer großen Band angeboten, wo es heißt für 20.000 könnt ihr mitfahren. Da überlegst du dann schon, denn das Geld siehst du nie wieder. Zwar kannst du mit dem Verkauf von Merchandise 2000 wieder gut machen, aber ob es das wert ist bleibt die Frage. Wie gesagt, wir sind keine Professionelle Band die das Finanzielle über alles andere stellt. Worin aber auch das Problem mit dem Touren liegt. Der eine Studiert, der andere bekommt keinen Urlaub, einer hat gerade seinen Job gewechselt und ist noch in der Probezeit, da ist es schon schwer eine Tour auf die Beine zu stellen. Wenn anfragen kommen, dann ist das Ganze meistens auch zu kurzfristig. Es hat sich zum Beispiel jetzt eine Band für 12 Gigs nur Skandinavien gemeldet, was zwar sehr reizvoll gewesen wäre, aber viel zu kurzfristig, da das direkt im November gewesen wäre. Wir wollen da auf jeden Fall mal was machen, denn live spielen ist das Beste an dem Job. Nur im Studio zu sein ist der Horror. Es ist schon schön, wenn du dann am Ende das fertige Produkt in den Händen hast und das dann den Enkelkindern vorspielen kannst, damit die sehen wie böse der Opa mal war. Aber die Gigs sind das wo wann das Feedback bekommt.

Eddie: Bei mir macht das 80% des Spaßes aus. Oben auf der Bühne fühle ich mich wohl und dann abgehen. Alles andere kann man nur nebenbei machen. Aber sich den Leuten zu präsentieren ist worauf es ankommt. Die merken ja auch, ob da jemand steht, der einen Bewegungsradius von 50 cm hat und sein Set nur so runter spielt oder ob die Leute ihren Spaß haben und hinter der Musik steht.

Welch ein schönes Schlusswort. Habt ihr noch ein Schlusswort für unsere Leser?

Sathonys: Ich möchte mich bei unseren Fans bedanken, die die Jahre mit uns gegangen sind und den Schritt hin zum neuen Album verstanden haben und dafür offen sind.

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