Amon AmarthBochum, Zeche (direkt gefunden!), 23.04.03>> Mehr Material zur Band
Nach ihrem letzten Killeralbum “Versus the World” haben ich sie die Schweden von Amon Amarth zu einer festen Größe im DeathMetal/VikingMetal Bereich gemacht. Im Zuge der Wacken Roadshow gelang es mir dann nach viel Sucherei und Hin und Her Frontkreischer Johan Hegg vors Mikro zu kriegen und ihn ein wenig mit meinen Fragen zu löchern.


Wie war die Tour bisher?

Eigentlich war sie sehr gut. Ich glaube ich war bisher auf keiner Tour die bisher so cool war. Die Atmosphäre zwischen den Band ist erstklassig, wir haben großartige Busse und die Auftrittsorte sind auch hervorragend. Es ist einfach unglaublich. Jeder kommt mit jedem klar... den einzigen Vergleich, den ich vielleicht machen kann, ist als wir mit Vomitory auf Tour waren. Das war auch sehr gut, aber jetzt haben wir bessere Busse.

Ihr seid ja gerade erst von einer US-Tour wieder gekommen, wie war die denn?

.. ohh, die war dann doch ein wenig anders. Wir haben mit Behemoth einen kleinen Minibus zusammen gehabt. War alles ziemlich zusammengestaucht. Die Tour an sich war recht gut. Die Menge war gut drauf und sie haben unsere Musik gut auggenommen. Also insgesamt war es ganz cool.

Was hältst du denn von dem Line Up hier? Ihr spielt ja mit Onkel Tom, die mehr eine Funband sind, Mob Rules die sehr melodischen Metal spielen und Lordi, der auf der 80’er Jahre Hard Rock Schiene anzusiedeln ist.

Ich muss sagen, dass ich das mag... so ist es keine normale Tour in dem Sinne. Es ist mehr eine Festival Tour, als beispielsweise das No Mercy Festival, denn hier hat man viele verschiedene Bands von den verschiedensten Musikrichtungen. Das ist echt Klasse. Die Besucher scheinen das auch zu mögen, sie genießen es viele verschiedene Bands zu sehen. Egal wo wir hinkommen, jeder scheint Onkel Tom zu lieben, die Reaktion auf uns ist auch sehr gut und Lordi spielen zum ersten Mal eine richtige Tour in Deutschland, werden dafür aber auch ziemlich gut angenommen. Das selbe gilt für Mob Rules.

Wenn wir von einer Festivaltour sprechen, sind wir auch sehr schnell beim Festival. Das Wacken Open Air war letztes Jahr chaotisch, inwieweit ist das bis zu euch als Künstler vorgedrungen?

Das einzige Problem, das wir gehabt haben, war die Ankunft in Wacken. Die haben irgendwas mit unseren Hotelräumen verdreht. Also mussten wir zu zwölft in einem Zimmer schlafen! Das allerdings nur für eine Nacht. Wir sind nicht die Leute die sich allzu viel beschweren, scheiße passiert immer wieder. Am nächsten Tag haben wir dann die richtigen Zimmer bekommen und alles war wieder in Ordnung. Es war kein wirkliches Problem und wir haben eine gute Zeit gehabt. Ich habe nicht einmal etwas von dem Chaos gemerkt. Der Ablauf auf der Bühne die wir gespielt haben war einbandfrei und wir hatten einfach nur Spaß.

Wenn du von dem Standpunkt heute zurück auf das Album blickst, was immerhin schon über ein halbes Jahr alt ist, wie beurteilst du es jetzt... ich denke es ist schwer dies direkt nach den Aufnahmen zu tun.

Ich denke immer noch, dass es ein sehr gutes Album ist. Ich höre mir natürlich nicht das ganze Album an, aber ich kann mir ein paar Songs rausnehmen und mir die immer noch gut anhören. Das ist eigentlich recht selten, da ich meine eigene Musik nicht wirklich höre, ich spiele sie ja regelmäßig. Aber ich mag das Album, es ist echt gut. Ich denke, es ist das Album mit dem ich persönlich am meisten zufrieden bin, von der Musik und der Produktion her betrachtet.

Ihr habt mit dem Album neue Wege eingeschlagen und euch lyrisch mehr mit den Göttern beschäftigt und die Kriegssagen hinter euch gelassen. Zudem ist das Album von der musikalischen Seite her betrachtet um einiges ruhiger und melodischer geworden. Wie kam es dazu?

Irgendwie sind wir wieder zurück zu unseren Wurzeln, sowohl musikalisch wie auch lyrisch. Wir wollten wieder Melodischer werden, wie das auf „Once Send From The Golden Hall“. Zudem wollte ich neue Texte schreiben, nach zwei Alben wieder die gleichen Themen zu bearbeiten ist einfach zu viel. Wir mussten echt was anderes machen und so haben wir uns entschlossen, wieder zurück zur Mythologie zu gehen. Da waren wir uns alle einig. Aber wir wollten auch unter keinen Umständen auf die Aggressivität und Härte von „The Avenger“ und „The Crusher“ verzichten. Somit ist der Grund dafür, dass das Album so anders ist die Tatsache, dass wir mit dem Tempo runter gehen mussten um die Melodien mit dem harten Klanggerüst zu verbinden. Ich denke das hat ganz gut geklappt. Das Album ist sehr melodisch geworden, aber von Zeit zu Zeit auch richtig brutal.

Dein Gesang hat sich auch verändert. Im Gegensatz zu vorher schreist du nicht mehr in so hohen Tonlagen wie bisher sondern setzt deine Stimme viel kontrollierter ein.

Doch, ich schreie schon noch rum. Wir haben allerdings auch über dieses Thema in der Band gesprochen. Da die ganze Atmosphäre viel dunkler ist als bisher, sollte der Gesang auch nicht so grell sein. Eher finster und unheimlich. Darauf haben wir hingearbeitet und das ist uns auch recht gut gelungen. Das ist aber auch auf das Studio zurück zu führen in dem wir gearbeitet haben. Wir haben komplett andere Ausrüstung für den Gesang verwendet als je vorher, welche dem Gesang eine ganz andere Dimension gegeben hat. Es passt fließend in die musikalische Umgebung.

Hat sich die Art wie ihr Songs schreibt im Laufe der Jahre verändert? Ihr hattet dieses Jahr zehn-jähriges Bandbestehen, in dieser Zeit muss ich doch irgendwas getan haben, einmal abgesehen davon, dass ihr viel professioneller geworden seid.

Die Art wie wir Songs schreiben ist immer noch so ziemlich die Selbe wie vor ein paar Jahren, allerdings haben wir uns als Musiker weiter entwickelt, was sich darin äußert, dass die Stücke schwieriger und komplexer werden. Der große Unterschied zu damals ist, dass unsere Arbeit im Studio viel ergiebiger geworden ist. Wir verschwenden keine Zeit mehr, sondern es läuft alles immer glatter. Genau wie unserer live Auftritte. Die werden auch immer besser.

Wie schreibt ihr einen Song? Erarbeitet ihr die im Probenraum zusammen oder setzt ihr euch an den Schreibtisch und erarbeitet erst einmal die Riffs?

Normalerweise hat einer von uns eine Idee für einen Song, die er dann im Probenraum vorstellt. Ich sitze in der Zeit meistens nur da und lasse die Musik auf mich wirken, um dann mit den Texten beginnen zu können. Andererseits ist es aber manchmal auch andersherum und ich bringe den Jungs einen Text und sage ihnen, dass sie sich mal dazu etwas ausdenken sollen. Manchmal läuft es auch richtig gut und ich habe schon einen passenden Text zu dem Song den ich von den anderen bekomme.

Als Schwedische Band singt ihr in Englisch, habt ihr schon einmal darüber nachgedacht eure Texte in eurer Muttersprache zu verfassen?

Ich habe mal drüber nachgedacht, aber es macht für mich keinen Sinn. Wir sind sehr motiviert und wollen die Leute erreichen, was viel besser in Englisch geht. Was noch dazu kommt, ist die Tatsache, dass ich besser in Englisch schreiben kann. Da viele Texte, auch wenn es der Durchschnittshörer nicht merkt, sehr persönlich sind gewinne ich durch die fremde Sprache eine gewisse Distanz zu dem was ich schreibe. Dazu kommt, dass ich mich in Englisch gut ausdrücken und den Leuten das vermitteln kann was ich möchte.

Habt ihr schon ein paar Ideen neues Material betreffend?

Wir haben schon darüber nachgedacht, aber bisher noch nichts auf die Beine gestellt. Wir sind im Moment viel am Touren und werden einige Sommerfestivals spielen die viel Zeit in Anspruch nehmen. Es dauert bestimmt noch bis Mai/Juni nächsten Jahres bis wir wieder aufnehmen können.

Wie weit mochtest du noch mit Amon Amarth kommen, was sind die Ziele die ihr euch gesteckt habt?

Ich möchte das wir die durch die Welt Touren können. Ich will nach Süd Amerika und nach Japan. Wir haben bisher schon viel erreicht, worüber ich sehr froh bin, aber es ist noch ein weiter Weg bis wir da sind wo wir hin wollen. Aber solange wir Alben veröffentlichen können, welche die Leute genießen und Spaß dran haben werden wir dabei bleiben. Es ist einfach etwas was uns Freude macht.

Seid ihr Vollzeitmusiker? Falls nein, ist das ein weiteres eurer Ziele?

Definitiv und ich denke, dass wir nicht mehr weit davon weg sind. Es kommt drauf an ob das nächste Album so erfolgreich wird wie ich es mir vorstelle. Dann hätten wir die Möglichkeit dies hier eine Vollzeitangelegenheit zu machen, aber dass wird sich noch zeigen. Noch sind wir nicht so weit.

Wo siehst du die Vor- und Nachteile in dem Job?

Der Vorteil ist ganz klar, dass wir und auf die Musik konzentrieren können, darauf zu Touren, etc. ohne uns immer frei in unseren anderen Jobs zu nehmen. Der Nachteil ist einfach die Tatsache, dass wenn man auf Tour ist, man in einer ganz anderen Welt lebt. Man braucht dann etwas das einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holt wenn man wieder zu hause ist.

Was erhoffst du dir für die restliche Tour und das was danach ansteht?

Ich denke diese Tour wird ein cooles Ende haben. Es sind noch ein paar Daten zu spielen und dann geht es wieder in die USA. Wir sind für ein einhalb Tage zuhause und danach geht es wieder auf Tour mit Rob Hallford, Primal Fear, Immortal und Testament. Es nennt sich die Gods of Metal-Tour. Um genau zu sein fängt die morgen an...

...oh, das konnte knapp werden...

... wir verpassen drei Shows. Aber das ist schon ok.

Wie lange spielt ihr dann da drüben?

Die Tour an sich geht sieben Wochen und wir stoßen nach einer halben Woche dazu. Es sind 30 oder 31 Gigs.

Wie war den die Reaktion auf eure Musik in den Staaten? Ist sie so positiv wie in Europa?

Es kommt langsam. Haben erstklassige Shows in New York und L.A. gehabt, genau wie in Canada. Es kommt immer drauf an wo du spielst. Aber der Metal ist in den USA am wachsen und so was wie die Gods of Metal-Tour trägt ihren Teil dazu bei es noch bekannter wird.

Wird es euch irgendwann in nächster Zeit auf einem anderen Medium als Cd zu sehen geben?

Ich dachte eigentlich, dass sie eine DVD aufnehmen wollten, aber diese Planungen wurden über den Haufen geworfen, das habe ich vor ein paar Tagen erfahren. Aber wir haben vor zwei Tagen ein Video aufgenommen. Es wird ein normales Musikvideo geben. Ich weiß nicht wann, aber ich denke das sollte nicht mehr lange dauern.

Welchen Song habt ihr den Aufgenommen?

Death In Fire!

Glaubst du denn, dass der Song auf Sendern gespielt wird?

Bestimmt nicht auf MTV, aber es gibt genug kleine Musiksender die es spielen werden.

Was hältst du denn von der Anschuldigung der Medien die Musik wäre für Schulmassaker oder ähnliches zu verantworten?

Ich glaube das ist alles Mist. Die Musik kann ein Auslöser sein, da Musik emotional ist. Wenn du Gefühle hast, die tief in deinem inneren liegen, kann die Musik diese Gefühle ans Licht bringen. Aber die Musik für Anschläge zu verantworten ist engstirnig. Musik kann genauso gut fröhliche Gefühle verursachen. Es ist einfach bullshit Musik für alles verantwortlich zu machen.

Wenn du dir die Szene so anschaust, was ist Metal für dich?

(lachend) Das ist ne schwierige Frage... ich höre mir ne Menge scheiße an und viele der Sachen die ich nicht mag kann man immer noch als Metal bezeichnen. Metal sollte stark und aggressiv sein aber auch viele Emotionen vermitteln, also würde ich, obwohl ich kein großer PowerMetalfan bin, es immer noch Metal nennen. Mir ist das eigentlich auch egal. Ich bin nur ein Sänger in einer DeathMetal Band und wer kümmert sich schon um meine Meinung.

Wenn man sich das ganze aber mal unter dem Aspekt einer Lebenseinstellung betrachtet, was meinst du denn dann dazu?

Es gibt viele verschiedene Personen in der Metalszene. Du kannst nicht sagen jemand ist mehr Metal als jemand anderes nur wegen seines Aussehens oder seines Benehmens. Beim Metal sollte es darum gehen, das Recht zu haben so zu sein wie man ist. Das ist meine Meinung dazu...

... andererseits nehme ich mir aber auch die Freiheit mich über Leute lustig zu machen die ich für „Wimps“ hallte (lachend) na ja, dass ist einfach die Art und Weise wie wir Spaß haben, nichts ernstes.

Werdet ihr für immer Wikinger sein?

(schmunzelnd) Yeah! Ich weiß nicht, ob die Band für immer ein Wikinger sein wird, aber ich denke schon. Meine Ahnen und deren Geschichte ist eine Sache die mir sehr am Herzen liegt und die Nordische Mythologie ist so was wie eine Lebensphilosophie für mich. Es ist etwas wie ein Gesetz nach dem ich versuche zu Leben. Es ist jetzt nicht so was wie eine Religion, es macht einfach Sinn für ich.

Alles klar, dann wünsche ich noch viel Spaß auf der Tour, viel Erfolg in den Staaten und ich bedanke mich noch einmal herzlichst für das Interview!

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