AxxisBochum, Matrix 14.03.04>> Mehr Material zur Band
Neues Album, neues Glück. So heißt es zumindest ja immer. Kann man bei einer Traditionsband wie Axxis auch noch davon sprechen? Wir haben uns mal bei ihrer Tour mit Pink Cream 69 schlau gemacht und wollten von Keyboarder Harry mal etwas genauer bescheid wissen. Dabei kam einiges interessantes raus und es wurde auch viel aus dem Nähkästchen geplaudert.


Grüße dich Harry. Ich hoffe es ist alles klar gegangen bisher. Wie waren den die acht Daten die ihr bis heute gespielt habt.

Grüß dich auch. Bisher war es der Knaller, ein bisschen über den Erwartungen. Wir haben ja schon im Jahre 2000 dieses Package mit Axxis und Pink Cream 69 gehabt, was ja schon sehr gut gelaufen ist. Dementsprechend hat man dann natürlich auch hohe Erwartungen, die aber bisher übertroffen worden sind. Von den Zuschauerzahlen ist es schon über dem Schnitt. Gestern in Tuttlingen waren es 1000 Leute beim Konzert, das war natürlich schon eins der Highlights. Das hat richtig Spaß gemacht. Mit Crystal Ball haben wir dann auch einen ganz guten Opener im Gepäck, die noch kurzfristig aufgesprungen sind.

Was waren denn die Highlights für dich und was die schlechten Tage, wenn ihr welche gehabt habt?

Die ersten paar Tage sind immer sehr problematisch, da sich das Team erst noch einspielen muss. Es dauert immer ein wenig, bis die Techniker wissen, wer welche Aufgabe zu machen hat und der Soundmann, die richtigen Einstellungen für die Bands gefunden hat, der Lichttechniker die Breaks kennt, für die Lightshow, und so weiter. Dann stellt man die Setlist noch ein wenig um, um zu schauen was gut ankommt. Da probiert man während der Auftritte und des Soundchecks schon mal ein wenig rum. Das dauert halt immer ein paar Tage. Highlight, wie gesagt war bisher Tuttlingen, aber auch so was wie Berlin. Das ist normalerweise für uns totes Land. Da kennt man Axxis und Pink Cream zwar, aber mehr auch nicht. Dieses Mal war es weit besser. Wir haben richtig gut Besuch gehabt, über den Erwartungen. Eigentlich wollten wir da einen Off Tag machen. Dann haben wir uns aber gedacht, bevor wir im Hotel abhängen, können wir auch ne Show spielen. Und es waren dann sogar 250 Leute da, was für uns richtig viel ist. Nicht zu vergleichen mit Bochum, was ja Heimatstadt für Axxis ist. Heute Abend wird es voll werden.

In welcher Reihenfolge spielt ihr?

Das ist unterschiedlich. Heute spielen wir als letztes, da wir dann zum Ende hin offen sind und noch was länger spielen können. Das hängt aber immer vom Publikum ab. Wir haben also auch schon bis zu zwei Stunden gespielt auf der Tour und das war manchen Leuten immer noch zu wenig. Wenn ich in unser Gästebuch schaue und da steht dann "NUR zwei Stunden gespielt". Ich mein, was erwarten die denn. Wir sind mit drei Bands auf Tour, das sind 4 ½ Stunden Programm. Irgendwann muss es dann aber auch mal gut sein. Sonst hängt es immer davon ab, wer in der Stadt mehr angesagt ist. Heute ist es natürlich Axxis. Aber das wechselt immer, so dass es am Ende des Tages 50-50 ist. Das beide gleich oft auf der Bühne gestanden haben.

Was sind den Daten die dir besonders am Herzen liegen.

Worauf ich mich freue sind natürlich immer Daten bei denen ich noch nicht gewesen bin. In Budapest, im Wigwam, da waren wir noch nicht. Das wird ne neue Erfahrung. Vor der Tour haben wir ja ein riesen Festival in Spanien, in Granada, gespielt, sind da auch super angekommen und würden mächtig abgefeiert. Das war toll. Da haben auch viele andere deutsche Bands gespielt, wie zum Beispiel Destruction, Tankard und so. Da hab ich dann auch festgestellt, dass Schmier von Destruction, genau wie ich, Borussia M'gladbach Fan ist. Die spielen ja heute Abend hier in Bochum, ich bin mal gespannt wie es ausgeht. Na ja, dann haben wir da natürlich dann gut einen drauf gepichelt und der Sänger von Tankard (Gerre) ist natürlich auch nicht von schlechten Eltern. Das ging dann bis morgens um 5 und dann kam schon der Reisebus und hat uns abgeholt hat um uns zum Flughafen zu bringen. Das war ne richtig geile Party und ein super Konzert gewesen. Die Spanier sind ja sowieso sehr temperamentvoll und emotional. Das war schon ein super Tourauftakt. Da haben wir dann das neue Material auch zum ersten Mal live gespielt. Und dann so eine Reaktion. Das ist natürlich eine super Motivation für uns gewesen.

Sonst habt ihr das neue Material aber noch nicht vorher gespielt?

Nein, noch nicht live. Wir haben vorher schon, das war Ende Januar zum Release des Albums, eine kleine Akustiktour gemacht. Das waren nur der Guido, Bernhard und ich. Ich spiel dann auch Akustikgitarre. Um das neue Album vorzustellen, so war es zumindest von der Plattenfirma angedacht. 3 Songs vom neuen Album, 20 Minuten spielen und ein wenig dazu sagen. Da ist dann aber eine Stunde draus geworden, die Leute die da waren, waren viel mehr als erwartet. Immerhin konnte man Axxis umsonst sehen und zum anfassen. Die Leute wollten dann natürlich auch noch ein paar alte Songs hören. Das heißt Guido und ich haben dann mittags noch im Hotelzimmer gesessen und haben die Sachen noch einmal durchgespielt. So nach dem Motto, wie ging das jetzt noch? Die sind ja etwas anders Arrangiert als in voller Instrumentierung. Hat aber viel Spaß gemacht. In Nürnberg waren dann 450 Leute da. Und das bei zwei Leuten mit Akustikgitarren. Wir hatten nen kleinen Verstärker, aber die Leute mussten Mucksmäuschen Still sein um überhaupt was zu hören. Nach 10 Metern war Schluss. Das war sehr überraschend und der Grund warum wir die drei Akustikstücke mit ins Liveprogramm genommen haben.

Ist denn angedacht eine reine Akustiktour zu spielen?

Wir haben das ja 1995 schon mal mit großem Erfolg gemacht. Damals war das aber noch was anderes. Da hatten wir auch noch einen Bassisten in der Band, der Kontrabass gespielt hat. Das ist natürlich ne geile Sache, wenn ne Heavy Metal Band mit nem Kontrabass auf der Bühne steht. Ich habe dann auch wieder Akustikgitarre gespielt und Piano im Wechsel. Da hatten wir dann auch ein kleines Schlagzeug dabei, nix großes wie hier mit Double Bass und so. Das war mega geil. Wir haben einmal in einem Club im Sauerland gespielt, bei dem der Veranstalter so mit 300 Leuten gerechnet hat. Dementsprechend war dann auch die Anlage ausgemessen und für den Saal angepasst. Aber an dem Abend waren dann 850 Leute da. Und jetzt? Was machst du jetzt? 850 Leute und keine Ordner da. Da musste der dann erst einmal noch nen Motorradclub anrufen, der dann kommen sollte. Hat also super Spaß gemacht. Da müssen wir mal schauen, ob wir das vom Konzept nochmal so hinbekommen, jetzt wo wir keinen Kontrabass mehr dabei haben, sondern das mit E-Bass umgesetzt kriegen. Also das ist definitiv angedacht. Wir sind so viel auf Tour, da ist das dann mal eine gelungene Abwechslung und es macht ja einfach Spaß. Zudem gibt es ja viele Kritiker der Band, denen wir damit zeigen, dass wir durchaus musikalisches Potential haben.

Wenn wir jetzt mal zum neuen Album kommen. Die Reaktionen waren ja durchweg positiv, so hatte ich zumindest den Eindruck. Viele haben sich darüber gefreut, dass die neue Scheibe im Gegensatz zu ‚Eye of Darkness' wieder um einiges rockiger geworden ist. Kannst du das Bestätigen? Wie hast du die Reaktion aufgenommen?

Das ist schon richtig. ‚Time Machine' sollte auch um einiges rockiger werden. ‚Back to the Kingdom' war ja eine Art Come-Back Album, mit neuem Line Up, nachdem Anfang 1998 der Gitarrist und Bassist ausgestiegen sind. Mit ‚Eye of Darkness' wollten wir dann möglichst schnell ein neues Album nachlegen, um Präsenz zu zeigen. ‚Time Machine' hat dann wieder etwas länger gedauert, da wir ja zum einen in Verhandlungen mit dem neuen Label standen und zum anderen auch internationale Erfahrungen gemacht und gemerkt haben , dass unsere harten Stücke einfach besser angekommen sind. Als wir damals ‚Kindom of the Night' rausgebracht haben, war das für die damaligen Verhältnisse ja auch eine ziemlich harte Platte. Melodiös aber hart. Für die heutige Zeit haben wir uns dann halt gedacht, da müssen wir noch einen Tacken drauf legen. So sind wir dann auch auf so Sachen, wie mit der Double Bass gekommen, ohne dabei allerdings die typischen Axxismerkmale aus den Augen zu verlieren, wie zum Beispiel die Chöre oder die Melodieläufe. Die werden uns ja manchmal angekreidet, da sie kitschig wären und sowas, da kann ich nur sagen, hört euch Halloween an, dass ist ja auch nix anderes. Aber bei uns wird halt durch die Stimme von Bernhard viel polarisiert, weshalb auch kritisiert wird. Aber die Leute die gelernt haben Axxis zu verstehen, die lieben es halt. Wir sind eine Entertainment Band und man sollte das alles nicht so ernst nehmen. Es geht halt auch um den Spaßfaktor dabei. Uns macht die Musik Spaß und das ist uns das wichtige. Man sollte das nichts alles so durchanalysieren. Ich glaube die großen Komponisten damals haben auch frei nach Schnauze komponiert und die Kritiker pflücken das heute Ton für Ton auseinander. Ich glaube so weit haben die einfach nicht gedacht. Musik muss einfach Spaß machen und wir haben das Glück gehabt damit auch noch erfolgreich zu werden und unser Geld zu verdienen.

Habt ihr einen roten Faden, der sich durch das Album zieht?

Die Texte haben an sich keinen Zusammenhang. Natürlich sind sie durch die Zeit geprägt in der sie entstanden sind. Es geht um den Irak Krieg, den Israel-Palästina Konflikt, der zu dieser Zeit wieder hoch gekommen ist, aber auch über die Fantasie Themen, die uns sonst auch am Herzen liegen. Der einzige rote Faden ist, dass es ein wenig härter sein sollte. Es sind ein paar mehr Double Bass Nummern dabei, es ist schneller und die Gitarren sind mehr nach vorne gekommen. Aber das sind alles Sachen die mit dem Sound zu tun haben. Aber vom Songwritting her, ist es eher eine Zusammenstellung aus allen Phasen die Axxis durchschritten haben. Wir haben uns da an den besten Songs jeder Platte orientiert und versucht ein Album zu schreiben, dass wie eine Zeitlinie durch unsere Geschichte geht.

Glaubst du denn, dass man politische Themen in der Musik die ihr spielt gut verarbeiten kann? Passt das? Wird das von den Fans bewusst wahrgenommen?

Ob das bewusst wahrgenommen wird? Wir geben ja auch keine Wertung ab, sondern wir bleiben mit diesen Sachen einfach in der Diskussion. Weil das im Grunde genommen auch die Sachen sind die Bernhard und mich, das Songwritterteam, beschäftigen. Wenn wir täglich im Studio sitzen, dann sind dass die Themen über die wir abends sprechen, wenn wir fertig sind. Das sind politische Themen, private Themen aber auch Fantasie oder ähnliches und daraus entsteht dann eine Diskussion. Ich glaube schon, dass es ein wenig ankommt, denn wir werden schon mal häufiger drauf angesprochen, nicht nur von Journalisten, sondern auch von den Fans.

Kosta Zafiriou von Pink Cream hat ja dieses mal eurer Album eingetrommelt, da euer alter Trommler Richard Michalski verschwunden ist. Gibt es da was Neues?

Jetzt auf Tour bekommen wir da natürlich nicht viel mit, aber es ist noch nichts gekommen. Wir haben einen Bekannten, bei der Polizei, der sich auf die Suche gemacht hat und auch in die alte WG rein ist, wo er früher gewohnt hat, aber da weiß man auch nichts über seinen verbleib. Also bis heute gibt es nur Gerüchte. Gerüchte in soweit, dass er in einem Pflegeheim untergekommen ist. Er war ja schwer Drogenabhängig. Am Ende würde das auch immer schlimmer, das es eigentlich nicht mehr tragbar für uns war. Wir haben es trotzdem weiter laufen lassen und letzten Endes war es dann sein eigener Entschluss. Das Schlimme ist nur, dass er einfach weggeblieben ist. Er hat keine Nachricht hinterlassen und unter solchen Umständen ist man natürlich unberechenbar. Wer weiß den was dem passiert ist. Auch wenn die Gerüchte sagen, er ist in einem Pflegeheim, könnte er ja trotzdem unter die Gleise gekommen sein. Wir wissen es einfach nicht und standen wie der Ox vorm Berg. Trotzdem mussten wir reagieren. Der Kosta ist ja zuletzt auch noch in unserem Management tätig, dass war dann auch der Grund warum wir angerufen haben und gesagt haben "Du, wir haben ein Problem, wir haben ein Studio gebucht, haben die neuen Songs, was machen wir nun?" Da hat er dann gesagt; passt auf, in drei Wochen bin ich soweit, und hat sich jeden Abend in den Keller gesetzt und sich das Material draufgeschafft und hat dann unser Album eingetrommelt. Gott sei Dank! Vielen Dank hier noch mal! Sonst hätten wir voll am Fliegenfänger gehangen. In den drei Wochen hatten wir dann Zeit uns für die Tournee umzuhören und sind dann auf den Andre Hilgers von Silent Force gestoßen.

Wie sieht es denn aus, wenn man jetzt schon mal ein wenig weiter denkt? Es kommen ja noch weitere Touren und auch irgendwann mal ein neues Album.

Also der Andre ist für dieses Jahr erstmal bei uns. Er ist ja bei Silent Force fest und da legen wir auch Wert drauf, dass das so ist. Aber was dann nach dem Jahr ist, wird man dann sehen. Er fühlt sich sehr wohl bei uns, wir fühlen uns wohl mit ihm und da sind wir mit jeder Option offen. Wir sind jetzt ein eingespieltes Team und wenn das so bleibt, dann kann er ins feste Line Up aufgenommen werden. Aber da sprechen wir jetzt noch nicht drüber, bis dahin dauert es noch lange.

Was sind denn die Ziele die man sich mit ‚Time Machine' gesetzt hat? Auf was arbeit man noch hin nach 15 Jahren Bandgeschichte?

Wir möchten jetzt erst einmal den Europäischen Markt für uns erschließen. Da wir aufgrund des Deals mit EMI nie international stattgefunden haben, eröffnen sich jetzt bei AFM und auch vorher schon mit Massacre ganz neue Wege für uns und wir wollen schauen auch mal aus Deutschland raus zu kommen.

Was ist den jetzt für das Jahr geplant? Hauptsächlich werdet ihr doch sicherlich Touren, oder?

Bernhard und ich haben auch schon mit der Arbeit an einem neuen Album begonnen. Die ersten Lines stehen schon im Kopf und wir haben schon mal damit angefangen die ersten Ideen stichpunktartig aufzunehmen, allerdings ist es jetzt noch viel zu früh etwas dazu zu sagen. Dann kommen halt noch die Konzerttermine dazu. Also wir sind gut beschäftigt. In der Woche Produzieren wir das neue Axxis Album, arbeiten mit Laconia zusammen, die bei uns die Chöre für ‚Time Machine' aufgenommen hat und von Bernhard produziert wird und dann halt die Konzerttermine. Das ist schon ein voller Terminkalender.

Im Moment sind unheimlich viele DVD auf dem Markt. Ist bei euch da auch was geplant?

Ja, wir sind ja schon fleißig am Aufnehmen. Wir haben unser System heute mit aufgebaut und nehmen das privat mal mit auf. Dennis Ward, der das Album ‚Time Machine' ja auch gemischt hat, hat sein Studio mit dabei, quasi am PC, heute kann man das ja schon alles so machen. Wir haben dann noch Material bei uns aus dem Studio geholt, was ja hier um die Ecke ist, alles aufgerüstet und nehmen dann heute mal auf. Zudem ist noch ein Kamerateam da, die das Ganze dann auch noch auf Video aufnehmen. Das Material muss man dann natürlich auch erst sichten und dann schauen was draus wird. Wenn das Material gut ist, dann kann man natürlich immer zu einer Plattenfirma hin und sagen wäre das nicht was? Reges Interesse ist da, nach einem Live Album oder einer DVD und das wird in absehbarer Zeit auch passieren, es ist nur die Frage was realisierbar ist.

Wunderbar, danke dir für das Interview. Hast du noch irgendwelche letzten Worte bevor es gleich los geht?

Na ja, jetzt wo du es sagst, kommt langsam das Lampenfieber hoch. Ich hoffe auf jeden Fall, dass unseren Fans unser Album gefallen hat und wir den ein oder anderen auf Tour wieder sehen


Noch ein kleiner Nachtrag am Ende… Borrusia M'gladbach hat gegen den VfL Bochum 1:0 verloren.

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